Was tun an diesem grauen, leicht regnerischen Sonntag? Ich plante: durch den Jenisch-Park, dann rüber nach Finkenwerder, dort ein wenig sich umschauen und zurück mit der Fähre nach Altona.
Doch am Bahnhof Klein-Flottbek kam mir der Gedanke, nochmals die Siedlung anzuschauen, die rechts vom Weg den Hang hinab angelegt war.
Dass ihr eine besondere Bedeutung zukam, hatte ich noch in der Erinnerung behalten, wie dann auch durch ein blaues Metallschild erläutert wurde. Die Hermkes-Siedlung.
Die vom Architekten Bernhard Hermkes entworfene Siedlung war eines der ersten großen Bauprojekte nach dem 2. Weltkrieg und wurde von 1950-52 realisiert. Sie besteht aus sieben Doppel- und zwei Einzelhäusern, die am Westerpark gelegen sind. Fenster, Dächer und Terrassen der Häuser sind einheitlich gestaltet. Als Beispiel für das bürgerliche Wohnen der Nachkriegsmoderne steht sie inzwischen unter Denkmalschutz. (Quelle)
Auf dem Schild stand noch etwas von „skandinavischem Stil„, was mir durchaus einleuchtete, denn ganz diffus hatte ich dabei Eindrücke aus Dänemark vor mir. Eine gewisse Strenge in der Formgebung, auch durch die tief hinabgezogenen Dächer betont. Von der ganzen Anlage, eingebettet in großzügiges Grün, dabei eher privat wirkend, – keine Zäune zwischen den Grundstücken -, nicht behäbig „deutsch“. An anderer Stelle wurde auf den gelben Backstein verwiesen.
Mit seinen Nachkriegsbauten setzt Hermkes wichtige Impulse für den Wiederaufbau in Hamburg, speziell mit der Orientierung an skandinavischen Vorbildern, deren deutlichstes Zeichen der hellgelbe Backstein im Kontrast zum dunkelroten Klinker der Zwanziger Jahre ist. (Quelle)
Dass es sich bei Bernhard Hermkes um ein Schwergewicht der hamburgischen Architektur handelte, wurde aus diesen Privathäusern nicht direkt deutlich. Wikipedia listet dagegen eine eindrucksvolle Reihe von öffentlichen Bauprojekten Hermkes auf: Grindel Hochhäuser, Großmarkthalle, Kennedy-Brücke, Audimax der Universität. Mehr noch als Klophaus hatte demnach Hermkes das Hamburg der Nachkriegszeit geprägt. Seine kleine Häuserreihe in Flottbek als „eines der ersten großen Bauprojekte nach dem 2. Weltkrieg“ zu bezeichen, schien angesichts seines sonstigen Wirkens eher übertrieben.
Spaziergang weiterer Verlauf
Wie geplant dann durch den Jenischpark. Mit der Fähre nach Rüschpark übergesetzt und dort nach Entdeckungen gesucht. Neben mir waren noch andere Streuner unterwegs. Die störten mich. Ein wenig noch Finkenwerder. Am Ende dann das gelbe Bötchen nach Altona genommen. Gut geheizt unter Deck.
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