Post aus der Vergangenheit

Kodak Technical Pan 4x5, Expired 09/1984

Kodak Technical Pan 4×5

Heute bei mir eingetroffen. Eine Packung Kodak Technical Pan Film. Die Produktion wurde um 2003 eingestellt. Viele davon finden sich nicht mehr im Handel. Die letzten tauchen hier und dort bei Ibei auf.

Warum suche ich nach solchen Filmen?

Meine Vorstellung von analogem Großformat orientiert sich zur Zeit an einem Mittelweg zwischen dem rein technisch Machbaren und der totalen Nostalgie.

Ungeachtet der digitalen Revolution, die uns derzeit bis zu 150 Megapixel und 15 Blendenstufen Kontrastumfang verspricht, gibt es Menschen, die aus dem Großformat alles herausholen wollen, was Kamera, Film und Entwickler noch zu bieten haben, so, wie es auf der anderen Seite des Spektrums Menschen gibt, die nur noch das rein historische Medium wiederbeleben wollen und dann auch entsprechende Kameras, Objektive und Aufnahmematerialien verwenden.

Ich glaube, dass beide Richtungen in Aporien münden. Die Suche nach dem ultimativen Großformat führt bei einigen zu Aufnahmen in den Abmessungen 8×10 inch (oder noch größer) mit Trommelscans im Gigabytebereich, die aber doch zwangsläufig von der Digitaltechnik überholt werden. Denn für sie gibt es keine Grenze, was Auflösung oder Farbsättigung angeht. Wenn die Optik nicht mehr mitgehen sollte, wird eine künstliche Intelligenz die fehlenden Details nachberechnen.

Die andere Fraktion läuft Gefahr, ein Historiendrama aufzuführen und dabei aus den Augen zu verlieren, was Großformat jetzt, hier und heute bedeuten könnte. Und beide möchten etwas korrekt machen, was doch der Korrekheit nicht mehr bedarf.

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In Ottensen. Beispiel für Belichtung auf Fotopapier, Kalotypie

Mein Versuch besteht darin, mit halbwegs aktuellen Kameras und Optiken bei den Bilddaten und dem Bildeindruck etwas unterhalb des technisch Möglichen zu bleiben und mich dabei an Bildern des 19. Jahrhunderts zu orientieren. Bislang hatte ich dazu mit guten Ergebnissen Fotopapier als Medium benutzt, – ein Verfahren, Kalotypie genannt, das immerhin auf Henry Fox Talbot zurückgeht.

Fotopapier modernerer Ausprägung wird es wahrscheinlich noch eine ganze Weile geben. Bei den Filmen sieht es schon schlechter aus. Und daher versuche ich auf dem Gebrauchtmarkt noch solche Schwarzweißfilme, wie hier den Kodak Technical Pan zu erwerben, die nicht mehr hergestellt werden. Es geht mir immerhin darum, wenigstens einen Eindruck davon zu bekommen, was ich verpasst habe, was nicht mehr wiederkommen wird.

Analog einer Zeile aus einem Gedicht Baudelaires in der Übertragung Stefan Georges:

Verändert · fern · zu spät · auf stets verloren!

 

Einige schöne Hinweise zum Technical Pan:

https://photo-analogue.blogspot.com/2012/10/kodak-technical-pan.html

Und noch ein Blog mit Beispielbildern:

http://www.alexluyckx.com/blog/index.php/2018/12/03/classic-film-review-kodak-technical-pan/

  

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