20.000 Tage

Selbst am Fischereihafen Altona im Alter von 20.000 Tagen

Selbst am Fischereihafen Altona

Einen Tag nach Frühlingsanfang, bei deutlich frostigeren Temperaturen wenngleich freundlichem Sonnenschein, bin ich heute 20.000 Tage alt geworden. (Sagt jedenfalls der Kalender.)

Es liegen somit 1000 Tage seit der letzten Markierung im Sommer 2017 hinter mir, wie eine unbestimmte Anzahl von Tagen vor mir. Mit etwas Glück könnte ich noch 10.000 Tage erleben. Wer weiß das? Noch in den letzten Monaten schien es uns, als hätte im Zuge der Klimaschutzbewegung die Zukunft wieder eine Zukunft bekommen, während in den letzten Tagen sich Zukunft auf die allernächste Zeit zusammenzieht und wir angesichts der Corona-Krise hoffen, das Schlimmste möge an uns vorbeiziehen. Hatten wir je weniger Zukunft?

Kürzlich noch hatte ich Pläne, dachte an April oder Mai oder den Frühling, den Sommer. Jetzt wirken diese Zeitangaben nahezu irreal, so unerreichbar wie unser schönes Falsterhus, zwischen dem und uns die Dänen am letzten Samstag ihre Grenze geschlossen hatten. Mich erinnert ein Gedicht Ernst Jandls mit dem Titel 1945, das etwa so geht: Krieg Krieg Krieg Krieg Mai.

Zeit wird Raum. Raum wird Zeit.

Herbstvoll

Neulich fragte mich meine Schwester, ob ich mich mit der Zeit meines Geburtstages, dem Juni, identifizieren könnte? Ja und Nein. Es ist der Noch-nicht-Sommer, der manchmal kühle unentschiedene Monat, der mir nahegeht. Vielleicht meinem Wesen entspricht. Ein spätes Frühjahr, ein früher Sommer. So oder so.

Vielleicht läge mir auch, aus gleichen Gründen, eher der Semptember, ein später Sommer, ein früher Herbst. Ich fühle mich nicht alt und auch nicht jung. Zeit ist vergangen und einem Beispiel Paul Austers folgend, den ich kürzlich wiederlas, sähe ich mich im Herbst meines Lebens angelangt. Zur Reife aufgelegt.

  

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