Sonntag im Hafenlos

Grauer Sonntag im Hafen am Baumwall Hamburg

Grauer Sonntag im Hafen

Am Morgen nach der Zeitumstellung, die mal erstaunlicherweise nicht abgesagt wurde, flogen einige nassforsche Schneeflocken durch den Garten, bevor sie als die letzten Ausläufers des Winters in Regen aufgingen. Dann war grau.

Entsprechend meine Unlust, vor die Tür zu gehen. Da in der derzeitigen Lage der Nahverkehr außen vor bleibt, ist die Auswahl für das Fahrrad eher eingeschränkt. Weder Elbufer, zu voll wahrscheinlich, noch der Nordwesten (hatte ich letzte Woche schon) konnten mich reizen, so daß mir als Alternative nur die Elbe ostwärts bis zu den Brücken und darüber hinaus blieb.

Nach dem Temperatursturz in der Nacht wollte das Radfahren keine rechte Freude machen. Ich quälte mich gerade entlang des Baumwalls gegen den scharfen Wind in die Hafencity, wo ich am Marco-Polo Turm das Rad anschloß und zu Fuß weiterging. Viel war da nicht los und an manchen Ecken wirkte die Umgebung geisterhaft. (Übrigens dazu, das beachtliche Video der englischen Band The Specials: Ghosttown)

Am Baakenhafen. Hier ist viel Abstand möglich.

Am Baakenhafen. Hier ist viel Abstand möglich.

Als ich die Baakenhafenbrücke querte, riss endlich die Wolkendecke auf und erlaubte dem Sonneschein volle Entfaltung seiner Möglichkeiten. Sogleich sah diese trübe Hafencity viel freundlicher aus. Die Elbbrücken vor Augen lief ich entlang der Umgehung Versmannstraße, während ich im Augenwinkel das Schiff Stubnitz bemerkte, einstmals an seinem Liegeplatz fern städtischen Treibens, jetzt in unmittelbarer Nachbarschaft zu den sich ausbreitenden Wohnblöcken. Ob das noch lange gut gehen wird? Vielleicht satteln sie um? Von Party auf Kinderbetreuung. Derweil kontrollierte eine Polizeistreife am Wegesrand gelegene Spielplätze.

Beste Aussichten am Versmannkai.

Beste Aussichten am Versmannkai.

Am Scheitelpunkt meiner Tour, den Elbbrücken, machte ich kehrt und lief auf den anderen Seite des Hafenbeckens, noch größteils von planiertem Sand bedeckt, in Richtung City zurück. Die wenigen Spaziergänger, jetzt wohl von der Sonne angelockt, hielten ordentlich Abstand zueinander. Und die Cafés, die sich mit poetischen Namen (Baakennest!) in dieses Vorgebiet gewagt hatten, mussten trotz der nun freundlichen Stimmung geschlossen bleiben. Wie lange werden sie das aushalten?

An meinem Fahrrad angekommen, war ich doch mehr als eine Stunde unterwegs gewesen und dabei tüchtig durchgeblasen. Für die heutigen Umstände immerhin manierlich. Morgen beginnt dann die Corona-Woche 3.

  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.