Eine Minute zu spät

Prächtiger Sonnenschein am Farnhornweg in Hamburg Lurup

Prächtiger Sonnenschein am Farnhornweg

Fred Picker gab wenig auf komplizierte Belichtungstechniken. Was hülfen sie, so sein Argument, wenn die Kamera am falschen Platz stünde oder das Licht ungünstig fiele? Letztere Komplikation konnte ich heute vor Ort erfahren.

Der Sonnenschein und die plötzlich rasant angestiegenen Temperaturen (nachdem noch vorgestern Sibirien geherrscht hatte), gaben sowieso Anlass zur Sorge. Mit Unmut verfolgte ich die Angaben meiner Wetter-App, die einen dichteren Wolkenschleier vielleicht für 14 oder 16 Uhr in Aussicht stellte.

Kurz nach Verlassen des Hauses musste ich schon den Parka abgeben und zu Jeansjacke und Anorak wechseln. In Kombination auch schon zu warm. Jeansjacke genügte vollauf.

Ich fuhr schon, wie letzte Woche, durchs Bahrenfelder Gewerbegebiet, konnte jedoch aufgrund der Sonne kein geeignetes Motiv entdecken. Um nicht gänzlich die Motivation zu verlieren, stellte ich mir ein Eis in Othmarschen vor, das ich in einer Schleife über Lurup zu erreichen gedachte. Unterwegs kam ich just hinter dem Volksparkstadion durch ein kleines Waldstück, Ausläufer des Bornmoors, als sich Wolken vor die Sonne schoben. Der Weg durchs Grün schattenlos und fahl. Besser jetzt als nie, war mein Gedanke und baute die Kamera geflink auf. Kein überragendes Motiv, als Test aber denkbar. Vor dem Auslösen brauchte ich nur noch die Belichtung zu messen. Und während ich das tat, verblassten die Wolken; die Sonne und die Schatten kamen hervor. Mist! Eine Minute mehr und ich hätte die Aufnahme gehabt.

Kamera aufgebaut in einem Waldstück am Bornmoor. Kurz vor der Aufnahme.

Kamera aufgebaut in einem Waldstück am Bornmoor. Kurz vor der Aufnahme.

So wartete ich dort 50min, während derer immer mal wieder dichtere Wolken aufzogen, Anlass zur Hoffnung gaben, im letzten Moment aber doch zerstoben. Als endlich die Schatten wichen, kamen noch Spaziergänger und Hundefreunde vorbei, sicherlich nette Menschen, aber in meinem Bild nicht brauchbar. Ich hätte schon fast aufgegeben und drückte noch endlich den Auslöser, Klick.

Mit letzter Kraft nach Othmarschen geradelt und dort das ersehnte Eis unter den stämmigen Eichen am Beselerplatz verzehrt. Mir sagt die Anlage zu. Othmarschen kommt mir ehrlich vor, was den Konsum angeht. Ohne Frage gilt das Angebot wohlhabenden Menschen. Ottensen dagegen kokettiert mit dem Flair des alternativen und abseitigen, natürlich kreativen, subkulturellen, zieht dir aber, bildlich gesprochen, das Geld für eine bunte Brause ohne Geschmack aus der Tasche. In Othmarschen sind noch Reste des Bedürfens aufzufinden, während Ottensen unbarmherzig vom Begehren regiert wird. Keine Zeit für Brot.

  

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