Nachrichten aus der Warmzeit 3

Potsdam, Havel

Potsdam, Havel

Zwei Wochen ‚Dienst‘ für meine Mutter, während meine Schwester in südlichen Gefilden weilte. Sommerliche Temperaturen, die zum Glück nicht ganz an die Werte von 2019 heranreichten, dennoch aber das Haus meiner Schwester auf eine bedrückende Erwärmung brachten.

Der Umgang mit meiner Mutter beschränkte sich leider nur noch auf die Freundschaftsinsel. Ausflüge in weiter abgelegene Anlagen (ich dachte an das freundliche Gartencafé am Schloß Charlottenhof) waren mit ihr nicht mehr möglich.

Auf der Freundschaftsinsel

Auf der Freundschaftsinsel

So sassen wir in der Regel nicht weit vom Inselcafé weg unter der großen Kastanie, steckten uns Kirschen zu, die ich um die Ecke beim russischen Lebensmittelladen erworben hatte und beobachteten die rege Tierwelt. (Dass meine Mutter einen Bär gesehen haben wollte, mochte ich aber nicht ganz glauben. Wahrscheinlich meinte sie die kleine Bronzefigur, die ein paar Meter weiter am Weg stand.)

Endlich reif, Johannisbeeren

Endlich reif, Johannisbeeren

Neben meiner Mutter oblag mir noch die Gartenpflege bei meiner Schwester. Zum Glück kamen immer wieder kleine Schauern runter, so dass sich die Gartenwässerung sehr moderat hielt. Und den Schnecken gings prächtig. Dass im westlichen Teil Deutschlands eine schlimme Katastrophe reinbrach und ausgerechnet das mit Kindheitserinnerungen erfüllte Ahrtal verwüstete, bekam ich nur am Rande mit. Schließlich musste ich doch die Johannisbeeren pflücken, die sich ob der Kälte im Mai reichlich Zeit gelassen hatten und in Beutel verpackt einfrieren. (Den Hamster sollte ich auch noch erwähnen…)

So ich Zeit fand, fuhr ich wie in alten Zeiten (vor Corona) zum Savignyplatz, besuchte die Buchhandlungen dort (Gartenthemen mau, aber 3 Bücher für Schweden) und freute mich an einer Pause am Einsteincafé.

Reisen digital

Gelegentlicher dieser Reise sollte ich noch bemerken, dass die Versprechen der digitalen Mobilität weit übertrieben sind. Ja, theoretisch kann man heute von jedem Punkt der Erde arbeiten und kommunizieren. Ich hatte dazu neben einem Subnotebook, 1 Tablet und 3 Smartphones dabei. Jedes davon deckte einen Teilbereich der Aufgaben ab, die ich statt in Frankfurt in Berlin erledigen wollte. Vorher wurde man, neben allen unsäglichen Captchas, bei denen man unentwegt Fahrräder indentifizieren sollte, aber an jeder nur möglichen Stelle von diesen 2-Faktor-Abfragen (wegen dem Ortswechsel!) genervt und weil das noch nicht reichte, wurde auch noch meine Kreditkarte gesperrt. Klar, das musste ja verdächtig sein, dass man sie plötzlich außerhalb von Frankfurt einsetzte. Zum Glück half ein Anruf bei der Bank. Die Karte war nicht, wie vor Jahren in Kanada, missbraucht worden. Ebenso erwies sich der Versuch, ein Video in einem anderen Land anzuschauen, auch als nicht gerade nervenschonend. Und obendrein machte ein unbeabsichtiges Update eine ansonsten hilfreiche App fast unbrauchbar! Schöne neue Welt.

Andere Freuden

Ansonsten gabs noch 3x Baden in der Havel, davon 2x oberhalb der Pfaueninsel, sowie aufgrund der täglichen Erschöpfung am Abend entweder Netflix (Gilmore Girls, The Crown) oder auf Youtube Tennis. Eigentlich lustig, dass man da längst vergangene und auch verpasste ‚Klassiker‘ in voller Länge nachschauen kann, wie Federer gegen Nadal, Wimbledon Endspiel 2008. Lektüre, statt dem dicken Band Sven Regener, den ich zum Geburtstag bekommen hatte, zwei dünnere Bände Maigret. Der las sich leicht, führte jedoch unweigerlich zu einer Art Völle, die mir das Gefühl gab, ich bräuchte in nächster Zukunft nicht mehr von ihm.

  

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