Eindrücke im Gallus

Richtung. Am Güterplatz.

Richtung. Am Güterplatz.

Gestern, am Samstag, erst wohlbehalten aus Schweden zurückgekehrt und noch gerade vor dem nächsten Bahnstreik, stand ich heute vor der Aufgabe, mich zu einer kleinen Radtour zu entscheiden, bevor ein bedrohlich wirkendes Regengebiet Frankfurt überziehen würde. Der leichten Erreichbarkeit geschuldet, dachte ich ins Gallus und vielleicht sogar bis zum Orange Beach zu fahren.

Doch kaum hatte ich den Platz der Republik, der eigentlich gar keiner ist, überquert, kam mir der Gedanke, nach dem alten Atelierfrankfurt in der Hohenstaufenstraße zu schauen. Seit der Aufgabe meines Ateliers im Haus gegenüber war nicht mehr dort. Was würden sie zwischenzeitlich dort errichtet haben? Über den Dächern an der Mainzer Landstraße ragten schon bedrohliche Hochhäuser hervor.

Hohenstaufenstraße mit Baulücke, an deren Stelle sich einst Atelierfrankfurt befand.

Hohenstaufenstraße mit Baulücke, an deren Stelle sich einst Atelierfrankfurt befand.

Surprise, surprise! Gar nichts stand an der Stelle von Atelierfrankfurt. Nur eine große Brachfläche, auf der offensichtlich Baumaterial für ein in der Nachbarschaft aufsteigendes Hochhaus namens ONE gelagert wurde. Damit hätte ich nicht gerechnet. Immerhin wurde das Gebäude schon 2014 abgerissen.

Dazu konnte ich in der mir einst vertrauten Ecke noch einige Reste früherer Bekanntschaften bemerken. Ja, es gibt immer noch den koreanischen Lebensmittelhändler und gegenüber den Kiosk, wo ich mir gelegentlich einen Kaffee oder ein Brötchen geholt hatte. Neugierig schlich ich in den Hof unseres ehemaligen Atelierhauses. Ein Schild am Eingang verwies für den zweiten Stock auf einige mir lose bekannte Namen. Offensichtlich hatten sich dort wieder Künstler eingemietet. Ob ihnen der Vermieter wohl einen guten Preis gemacht hatte? Wenn nicht, sollten sie sich beim Kulturamt beschweren. Das hatte uns 2013 rausgeworfen, um das neue Atelierfrankfurt im Osthafen zu füllen. Daran sieht man, dass staatliches Handeln im Kulturbereich keineswegs von Fürsorge geprägt ist, sondern eigene Interessen verfolgt.

Spuren einer Künstlerexistenz in Frankfurt Gallus

Spuren einer Künstlerexistenz

Auch im Hof, in einem Seitengebäude fand ich Nachwirkungen unserer alten Ateliergemeinschaft. Einer der Kollegen hatte wohl Räume der alten Buchbinderei übernommen.

Angsichts der dunklen Wolken, die sich am Himmel aufstellten, versuchte ich ganz schnell eine Aufnahme im Großformat, ein letztes Blatt, das in Schweden übrig geblieben war, am Güterplatz, wo baulich alles drüber und drunter zu gehen schien.

Feuerwache 3 in der Frankenallee, Frankfurt Gallus

Feuerwache 3 in der Frankenallee

Zum Schluß entdeckte ich noch in der Frankenallee die beeindruckende Feuerwache 3. Die sollte ich mir demnächst als Motiv vornehmen.

Auf dem Rückweg überraschte mich dann der Regen, der mit einiger Kraft niederging und mich zum Unterschlupf unter die Markisen eines Cafés zwang. Fast trocken kam ich zuhause an. Zwei weitere dicke Schauern am Nachmittag folgten.

  

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