Spaziergang bei Novembergrau

An der Nidda bei Berkersheim, herbstlich

An der Nidda bei Berkersheim

Gestern hätte ich um ein Haar einen Handschuh verloren und freute mich beim Wiederauffinden über das eingesparte Geld gegenüber einem echten Verlust. Eine Summe, die mir heute umstandslos abhanden kam, als ich gedankenlos in den Bus stolperte, dessen einzige beiden Fahrgäste sich als Kontrolleure erwiesen. 60 Euro vondannen.

Meine Pechsträhne, die neulich mit der Zerstörung der Dunkelkammerglühbirne begann, schien nicht abzureissen. Im Falle der Fahrkartenkontrolle neigte ich schon dazu, sie mit Humor zu nehmen.

Dass immerhin Freundin M. sich meldete und mich auf einen Spaziergang einlud, war angesichts der Novembertrübnis nicht die schlechteste Option. Aufgrund meines neulich im Matsch verknickten Fusses wollte ich allerdinge keine allzugroße Strecke gehen, weswegen ich den Weg an der Nidda bei Bonames vorschlug. Der Herbst neigte sich so langsam dem Ende zu, wo die Bäume große gelbe Flecken ihres Laubs versammelten. Stimmungsvoll.

Was nutzt die Kunst?

Im Gespräch entlang der Nidda kamen wir von der interessanten Frage, wie sich (etwa beim Onlinedating) Fotografien von Menschen auf Profilbildern von der echten Person unterschieden und warum eigentlich, in einer Zeit, in der doch das mediale Bild uns das nächste und selbstverständlichste sein sollte, auf weiteren Umwegen zum Nutzen der Kunst für das Leben.

Zu letzterem konnte ich nur auf die zurückliegenden Überlegungen verweisen, nach denen einen Nutzen wohl gegeben sein mag, dabei aber ungeklärt bliebe, wieviele Künstler es dafür brauche und ob es, nach den Untersuchungen P.M. Mengers notwendig sei, für die angeblich so nützliche Kunst einer große Anzahl von Künstlern in einem absurden Zirkus allerlei Übungen abzuverlangen, aufgrund derer sie sich unserer als würdig erwiesen. Zwar denken wir gerne an die Künstler, große Namen (Kafka, Proust, Mann), auf die wir ungern verzichteten, vergessen aber dabei gerne, dass wir einer Vielzahl von ihnen nicht wirklich zutrauen, unser Herz zu gewinnen, um ihnen ständig neue Prüfungen abzuverlangen. Sie müssen in Bestsellerlisten auftreten, im Feuilleton besprochen werden und ständig Preise gewinnen. Warum, wenn die Kunst nachgesagt so notwendig für unser Leben ist?

Die kleine Runde dehnte sich erfreulich aus und als wir wieder in Bonames angelangten, waren 17.000 Schritte gezählt.

  

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