Gelber Wimpel – das letzte Bild

´Gelber Wimpel. Wahrscheinlich letztes Ölgemälde im Kunststudium und danach. Frühjahr 1987.

Gelber Wimpel. Wahrscheinlich letztes Ölgemälde.

Heute morgen öffnete ich einen Karton, in dem sich noch Arbeiten von mir aus dem Kunststudium in Hamburg fanden. Darunter dieses Bild “Gelber Wimpel”; wahrscheinlich mein letztes Ölgemälde aus dem Frühjahr 1987.

Ich bin nicht mehr 100% sicher, ob genau dieses Bild das letzte war, mit dem ich die Malerei beendete, – auf jeden Fall aber dieses Motiv, Flagge oder Wimpel, das auf Eindrücke aus dem Skiurlaub zurück ging. Der hohe Kontrast zwischen den bunten, stark farbigen Pistenmarkierungen, dem blauen Himmel und dem grellweissen Schnee.


Und da wollt ihr heute noch malen?

Nach 1½ Jahren an der Kunsthochschule, wo sich nur einen Klassenraum weiter (und nicht nur da) die “Neuen Wilden” der 1980er Jahre austobten, auf riesigen Leinwänden, die vorwiegend mit Anstreicherpinseln aus dem Baumarkt bearbeitet wurden, war ich mit der Malerei ans Ende gelangt. Nach einigen Motive aus der alpinen Schneewelt wusste ich schlicht nicht mehr, was ich malen sollte. Den letzten Rest hatte mir sicherlich die Bemerkung des Professors Fritz Seitz gegeben, der uns gut ein Jahr zuvor, zu Beginn des Studiums, mit Verweis auf Duchamp gefragte hatte: “Und, da wollt ihr heute noch malen?” Tatsächlich wollte ich das nicht mehr, auch wenn es noch einige Zeit, eben bis in die erste Häfte 1987, dauerte, bis ich entgültig den Pinsel ablegte. Nicht die Malerei selbst war das Problem, sondern ihr Anspruch, durch sie der Kunst ein Medium zu sein. Später stellte ich dann auch noch die Ausstellung als ein Medium der Kunst in Frage.

Zuerst jedoch trat ich in ein grauen, krisenhaftes Zwischenstadium ein, in eine Leerstelle, die ich nach der Aufgabe der Malerei nicht füllen könnte. Immer hatte ich viel gezeichnet, aber auch die Zeichnung blieb mir leer, weil ihr die gleiche Legitimation wie die Malerei fehlte. Wer malen konnte, konnte auch zeichnen und umgekehrt.

Drei Momente halfen mir aus dieser Krise, – die Philosophie Platons und der Versuch, sie durch Kunst zu begreifen, ein Band Kunstforum zum Thema Realitätskünste, schließlich die Begegnung mit BJ Blume, der als Lehrer beide ersten Momente ansprechen und vereinen konnte. Seitdem habe ich nie wieder gemalt.

  

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