Graue Runde am Main

Blick von der Main-Neckar-Brücke stadteinwärts

Blick von der Main-Neckar-Brücke stadteinwärts

Die beiden Tage nach Heiligabend gab sich das Wetter weniger freundlich. Der erste Weihnachtstag war sehr feucht und nieselig, der zweite trocken und grau. Ich brauchte jeweils nur meine Bewegung.

Am ersten Weihnachtstag ließ mich von der Bahn nach Eschersheim bringen, von wo ich erst an der Nidda, dann durch das Buga-Gelände nach Hause lief. Eine weitgehend abgesicherte Tour. Unterwegs, irgendwo im Gehölz, wünschte mir ein Mann Frohe Weihnachten. Das fand ich nett. (10.400 Schritte)

Am zweiten Weihnachtstag, den sie in Österreich Stefanitag nennen (womit an meinen Namenstag erinnert sei), durchquerte ich zuerst die Anlagen, nicht ohne hier und dort der Architektur geschuldete Abwege zu nehmen, bevor ich am Nizza an den Main gelangte und dort am Ufer, vorbei am Westhafen, bis zur Eisenbahnbrücke, der Main-Neckar-Brücke, lief. Mit ihr verband ich den letzten Jahren oftmals den ersten und den letzten Blick auf Frankfurt, je nachdem, ob ich von Hamburg kam und nach dorthin fuhr.

Ich bemerkte mit einer gewissen Betrübnis, dass diese Reisen, die mich für einige Tage nach Frankfurt führten, nicht ohne einen Charme waren, denn sie versicherten mich in dem Gefühl, nicht einer Stadt vollkommen ausgeliefert zu sein. Auch wenn die Wohnung in Frankfurt ihre eigenen Beschwerlichkeiten hatte, gab sie mir das Gefühl, es gäbe noch einen zweiten Ort, vielleicht eine Alternative zu der jeweils bestehenden Situation (und dabei sollte ich nicht vergessen, dass es ja seit Ende 2015 auch noch die Mutter in Potsdam gab). Nach Frankfurt zu fahren, war, gelegentlich nicht immer, wie Urlaub von mir selbst zu nehmen. Oder vielleicht Urlaub von mir selbst bei mir selbst zu nehmen, denn es war immerhin meine eigene Wohnung, in der auch noch eine Großteil meiner Bücher lagerte. So sehr der Rückzug aus Hamburg von einer gewichtigen Ratio durchdrungen war, diese Möglichkeit, in einer anderen Stadt Abstand von mir selbst zu nehmen, ist mir nun, außerhalb der Ferien, genommen.

Bei diesen Gedanken stand ich auf der Brücke und blickte in den grauen Main. Dann kehrte ich auf der Sachsenhäuser Seite zurück. (12.200 Schritte)

  

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