Weihnachten 2021

Mein kleiner Weihnachtsbaum. Merry Christmas!

Mein kleiner Weihnachtsbaum. Merry Christmas!

Auch dieses Jahr ergab sich, dass ich alleine Weihnachten feiern würde. Angesichts der Unwägbarkeiten der Omikron-Variante hatte ich schon vor einiger Zeit mit meiner Schwester abgestimmt, von einem Beisammensein in Berlin abzusehen. Traurig vielleicht für meine Mutter; wichtig aber nur, dass sie im Heim geschützt bliebe.

Also, mein zweites Corona-Weihnachten und wahrscheinlich das erste in dieser Wohnung in Frankfurt. In den Jahren vor Hamburg hatte ich das Fest in aller Regel bei meinen Eltern verbracht.

Am Mittag von Heiligabend lief ich zum Kiosk für die NZZ, nur ein dünnes Blatt, einer Feldpostsendung aus der Krisenzeit gleichkommend, die sich selbst an Weihnachten meiner nicht erbarmte. Dürfte ich den fehlenden Inhalt vielleicht dazudichten?

Nachdem ich alle Einkäufe erledigt hatte, strich ich über die Fressgasse, bevölkert von den letzten Passanten und genoss diesen besonderen Moment, alles hinter mir gelassen zu haben und nur noch das Fest vor mir zu erwarten. Ein Stück Zeitlosigkeit. Vielleicht von der Gestalt des Heiligen, die Eliade ansprach. Er schrieb:

Die heilige Zeit ist eine ontologische, eine “parmenidische” Zeit, die sich immer gleich bleibt, die sich weder verändert, noch erschöpft. Mit jedem periodischen Fest findet man dieselbe heilige Zeit wieder, die sich in dem Zeit des Vorjahres oder in dem Fest vor einem Jahrhundert manifestiert hat.

Zwischendurch brach am Opernplatz für einen Moment die Sonne durch die Wolken.

Fürchtet euch nicht

Weihnachtsgeschichte. Video aus der Kirche in Neukölln.

Weihnachtsgeschichte. Video aus der Kirche in Neukölln.

Am späteren Nachmittag versuchte ich dann den Weihnachtsgottesdienst aus der Kirche in Neukölln zu erreichen. Entgegen anderer Verlautbarungen sollte es doch einen Live-Stream geben, den ich allerdings erst nach einigen Recherchen und Anpassungen empfangen konnte. (Wie ich diese Streamingtechnik hasse, besonders seit sie durch Corona so allgegenwärtig geworden ist. Früher gab es mal eine graue Kiste mit einigen Knöpfen. Man drückte auf einen Knopf und empfing ein Bild.)

Leider konnte ich mit der Predigt der neuen Interims-Pfarrerin wenig anfangen. Den bis dahin großartigen Pfarrer Christoph hatten sie dieses Jahr ausgerechnet nach Hamburg weitergeschickt, wo ich mich nun nicht mehr befinde. Das Engelswort aus der Weihnachtsgeschichte “Fürchtet Euch nicht” schien mir allzu vorhersagbar, zu konventionell, auf die gegenwärtige Lage zu passen. Schade auch, dass die Kamera immer starr auf Krippe und Altar gerichtet war. Ein Blick in die Kirche wäre nett gewesen. Noch nichteinmal der Einzug der Kerzen wurde gezeigt.

Garzeit

Sodann widmete ich mich meinem Festessen, das angelehnt aus dem letzten Jahr aus Filetsteak bestand. Da ich aber nun über einen Backofen verfügte, nutzte ich die Niedriggarmethode aus. Das Fleisch kurz anbraten und dann bei 120° etwa 75 Minuten in den Ofen stellen. Es geriet vorzüglich. Und weil ich mir dazu auch Kartoffelgratin wünschte, konnte ich meinen zweiten, externen Ofen dafür verwenden, den ich erst dieses Jahr noch in Hamburg erstanden hatte. Abgerundet mit Zuckererbsen erhielt ich das schmacklichste Mahl. Zur späteren Abendstunde nahm ich noch Vanilleeis mit Eierlikör, dem Tiefkühlfach (ebenfalls eine Neuerung) wars gedankt. Und als Erinnerung an die vielen Male auf der dänischen Fähre, trank ich den australischen Rotwein, den ich immer dort im Bordshop erworben hatte.

Nicht diese Töne

Zuletzt noch gönnte ich mir das Weihnachtskonzert von Radio France auf Arte, das eigentlich noch aus dem letzten Jahr stammte. Ich hatte schon in den vergangenen Tagen immer wieder reingehört und konnte nicht davon lassen. Bisher hatte ich nur eine recht undeutliche Vorstellung von Tschaikowsky, die irgendwie mit sentimentalen Stücken für Disneyfilme verbunden war, aber durch dieses großartige Konzert umgehend korrigiert wurde. Melodien von einer kaum fassbaren, nahezu außerirdischen Schönheit erreichten mein Ohr. Mich fürchtete die Übetreibung angesichts dieser Klänge, die mich vollständig in den Bann schlugen, sie göttlich zu nennen, jedenfalls allen Mühens auf Erden abhold.

Der Tag musste schließlich enden und mich in dem Gefühl gehen lassen, ich hätte diesen ersten Weihnachtstag oder genauer Weihnachtsvortag nicht besser und ausgefüllter begehen können. Kein geringes Lob an mich selbst in dieser doch schweren und prüfenden Zeit. Hoffentlich ist es euch ebenso gut wie mir ergangen.

  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.