Rückreise aus Schweden – Von Malmö über Rostock nach Berlin

Malmö, Abendstimmung am Bahnhof

Malmö, Abendstimmung am Bahnhof

Während die Hinreise nach Schweden dank des neuen Nachtzugs überraschend einfach und bequem verlief, hatte ich mir in beinahe selbstquälerischer Absicht eine andere Route für die Rückreise vorgenommen. Von Malmö auf möglichst direktem Weg über Rostock nach Berlin. Vorweg, das werde ich nicht wieder tun.

Karte Wegstrecke von Malmö auf direktem Weg über Rostock nach Berlin, ohne Auto mit Bahn, Bus und Fähre.

Wegstrecke von Malmö über Rostock nach Berlin

Früher war diese Strecke von Berlin geradewegs in den Norden die Magistrale nach Skandinavien. Es fuhren Züge Tag und Nacht, die in Rostock auf die Fähre gesetzt wurden und auf dänischer Seite ihre Fahrt fortsetzen, natürlich auch Autos und bis vor einiger Zeit noch ein Bus. Das ging mehr als 100 Jahre. Sogar mein Schwager wies mich auf eine Geschichte von Erich Kästner hin, in der die Hauptperson für Ermittlungen so nach Kopenhagen gelangte. Und schon Kafka musste im Sommer 1914 auf diesem Weg gereist sein, als er nach zermürbender Aussprache mit Felice in Berlin noch für einige Tage ins dänische Marielyst floh.

Doch damit ist seit wenigen Jahren Schluss. Wer nicht mit dem eigenen Auto reist, wird ganz außen herum über Hamburg, Flensburg nach Kopenhagen und weiter geführt. Selbst die Fernbusse fahren über Flensburg und auch nicht mehr über die Vogelflugroute Puttgarden-Rödby, obwohl sie eigentlich könnten.

Ein Abend in Malmö

Malmö, am Kanal. Nach dem letzten Tanz...

Malmö, am Kanal. Nach dem letzten Tanz...

Zuvor verbrachte ich aber, mehr aus Tradition, die Nacht in Malmö. In Anbetracht des großen Stadtfestivals, das immer in der 2. Augustwoche stattfindet, war die Stadt von Aufbauarbeiten aller Art durchzogen, die manchen liebgewonnenen Weg verhinderten. Schließlich landete ich mit meinem Eis am kleinen Kanal, der die Innenstadt von der Vorstadt trennte. Dort lag ein schmaler Anleger an dem Tretboot vermietet wurden.

Ich beobachtete eine Frau, die einen kompakten Lautsprecher aufbaute, aus dem bald langsam gemessener Tango erklang. Paare fanden sich, die dazu tanzten. Alle in Straßenkleidung. Manche konnten die richtigen Schritte, andere schienen zu improvisieren. Das rührte mich an. Ich blieb sitzen, sah und lauschte. So schön.

(Nach der Rückkehr mühte ich mich die Urheber dieser Veranstaltung ausfindig zu machen und fand die Facebook Seite Street Tango Malmö. Dort sieht man auch ein Foto des Events.)

7:30 ab Malmö

Tschüss, Malmö

Tschüss, Malmö

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker schon um 6:20. Die Reise nach Berlin würde lang und beschwerlich werden, denn ich hatte noch am Tag zuvor festgestellt, dass die Züge ab Rostock nur alle 2 Stunden führen. Verpasste ich einen, könnte es mir drohen, erst um 21:00 in Berlin einzutreffen. Das wollte ich meiner Schwester nicht antun.

Also in aller Frühe auf, im Hotel nur ein paar Bissen vom Frühstück (denn das war nicht meine Zeit) und ein Brötchen eingepackt, dann ging es auf die erste Etappe, die S-Bahn über den Öresund nach Kopenhagen.

Ankunft Kopenhagen pünktlich. Wartezeit 15 Minuten, die sich dehnten, weil der Zug verspätet kam. Immerhin enthielt er Kurswagen nach Nyköbing, so dass ein Umstieg in Ringstedt entfiel.

Nyköbing

Nyköbing Busbahnhof

Nyköbing Busbahnhof

Mit der Verspätung von 10min hätte es eng werden können, doch wir kamen sogar einige Minuten zu früh in Nyköbing (Falster) an, wo schon die gelben, mehr als vertrauten Busse warteten. Mit ihnen bin ich sonst immer zum Falsterhus weitergefahren. Heute gings dann zum Fährhafen Gedser. Dorthin waren es geradeaus nach Süden kaum 15km, doch der Bus schlich dahin wie eine Schnecke und erlaubte sich an jeder Ecke noch eine Schleife in ein abseits der Straße gelegenes Dorf, wo niemand einstieg. In Gedser sollte ich nur knapp 30min Umstiegszeit zur Fähre haben, wobei ich vorher noch ein Ticket kaufen musste. Fußgängern war es nicht möglich, es online zu erwerben.

Gedser

Gedser Fährterminal

Gedser Fährterminal

Gedser am Hafen knapp, aber Bus hielt direkt vor dem Fährterminal. Ich aus dem Bus, mit Tempo ins Office, dort ein Automat, der zum Glück gleichweg das Ticket ausspuckte. (Ich hatte schon Befürchtungen, mich durch unverständliche Menus kämpfen zu müssen.)

11:15 an Bord der Fähre und Abfahrt aufs Meer. Das sah gut aus und ich konnte damit rechnen, nicht mehr später als 19:00 in Berlin eintreffen zu können. Die Fähre gut gefüllt von den vielen Autoreisenden, für die diese Route noch normal ist. Die Zeit verging rasch. Auf einen Besuch im Bord-Shop verzichtete ich, denn ich hatte schon genug Gepäck. Als kleiner Imbiss doch Pommes (jetzt schon 4,70€).

Rostock

Rostock, Bushaltestelle im Hafen

Rostock, Bushaltestelle im Hafen

Nach Fahrplan hätten wir 13:15 in Warnemünde ankommen sollen, doch die Fähre ließ sich Zeit. Es wurde 13:35 bis sich für die Fußgänger die Türen öffneten. Anders als in Gedser wurden wir von einem Bus von der Fähre zu einem öffentlichen Terminal gebracht. Von dort sollte ein Stadtbus zur S-Bahn fahren.

An der Bushaltestelle hatte sich schon ein größere Menschenmenge von etwa 50 Personen versammelt, darunter mehrere mit dick bepackten Reiserädern, die der Busfahrer nach längerer Diskussion, die Zeit und meine Nerven fraß, aufnahm. Zum „Dank“ priesen die Eigentümer der Räder den anderen Mitreisenden, die sich ihretwegen noch zusammendrücken mussten, die Segnungen des Radverkehrs. Grrrrrr. (Die Autos rollten derweil von der Fähre und direkt auf die Autobahn nach Berlin…)

Ankunft an der S-Bahn Rostock Lütten-Klein genau auf die Minute. Rennen, rennen, rennen. Mit 2 schweren Koffern. Zug gerade noch bekommen. Aber in Rostock Hbf würden es nur 3 Minuten Umstieg sein. Die S-Bahn nahm mir noch 1 Minute davon weg.

Unter normalen Umständen hätte ich den Regionalexpress nach Berlin nicht erreicht und dann 2 Stunden auf die nächste Verbindung warten müssen. (Unverständlich, warum ein RE und IC nahezu zeitgleich von Rostock aufbrechen müssen.) Hier kam mir allerdings die ansonsten so ärgerliche Verspätung der Bahn entgegen, die meinen Zug auf einen anderen warten ließ. Zum Glück bekam ich noch einen Sitzplatz und ergab mich im recht vollgepackten Abteil der an mit vorbeiziehenden Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns, die vorzugsweise in den Farben Gelb, Braun und ein wenig grün gehalten war. Keinerlei weitere Ablenkung. 2 Stunden 40 Minuten bis Berlin, das wir bei etwa 17:30 anführen.

Berlin

Ankunft in Berlin. Tiergarten.

Ankunft in Berlin. Tiergarten.

Nach Umstieg in die S-Bahn kam ich gegen 18:15 bei meiner Schwester an. Ich war gut 10 Stunden unterwegs gewesen.

Hätte ich einen regulären Zug Malmö – Berlin genommen, wäre ich trotz Umweg über Flensburg und Hamburg fast 3 Stunden früher angekommen. Oder ich hätte sogar den Snälltaget in Malmö nehmen können, die Übernachtung einsparen und am frühen Morgen in Berlin ankommen. Nächstes Mal. Diese Strecke werde ich bestimmt nicht wieder nutzen.

  

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