6 Tage Paris

Paris in der Abenddämmerung. Ausblick von Sacre-Cœur.

Paris in der Abenddämmerung. Ausblick von Sacre-Cœur.

Schon vor einigen Wochen (genauer am 4. September) kam mir der Gedanke, für ein paar Tage nach Paris zu fahren. Eine Auszeit aus dem trüben Alltag, vor dem nächsten Besuch bei der Mutter nehmen. Eigentlich hätte mir London mehr gelegen, doch neuerdings verlangte das einen Reisepass. Und Paris liegt, kaum greiflich, nur 4 Stunden von Frankfurt entfernt. Wie Berlin, doch in der Vorstellung unendlich weiter weg.

Hier kommt mein vorerst knappes Reisetagebuch:

Mittwoch

Hinreise mit der Bahn, die sich wieder kleine Späße erlaubte. Dafür nette Französin im Zug kennengelernt, doch unsere Wege trennten sich bald wieder. 18:20 Ankunft Gare de L’Est. Fremde Welt, ich war bestimmt 30 Jahre nicht mehr in Paris gewesen. Zu Fuß durch Seitenstraßen zum Hotel nahe Pigalle (9.Arr.), Zimmer charmant im 6. Stock über den Dächern. Gleich rauf den Montmartre, zu Sacre-Cœur, Blick über Paris. Toll. Erster Rundgang durchs Viertel Staune, was da alles an netten Läden gibt.

Donnerstag

Selbst am Eiffelturm

Selbst am Eiffelturm

Vom Hotel in Richtung Oper gelaufen. Entdeckte durch Zufall die Dachterrasse von Lafayette. Super Aussicht. Das Kaufhaus selbst nicht so mein Fall. Nicht weit der Boulevard Haussmann 102 und der Rest ist Geschichte. Von hier aus mit der Metro zum Eiffelturm, Pflichttermin.

Kurzes Stück nur bis zum Kriegsmuseum. Als Kind, meine ich, stand da ein deutscher Panzer. Der ist vielleicht längst weg oder an anderer Stelle abgestellt. Zwischenzeitlich kam die Sonne heraus und ließ mich daran zweifeln, ins Museum zu gehen. Beschloss, in Richtung Saint-Germain des Prés zu laufen, wie mir meine Kräfte erlauben sollten.

Auf der Suche nach einer Toilette kam ich bei Bon Marché vorbei. Gefiel mir besser als Lafayette, besonders die Lebensmittelabteilung. Fand da auch ‘meinen’ Tee von Fortnum, doppelt so teuer wie in London, aber immerhin. Beglückt. Bis Rue du Bac gelaufen und dort in die Metro, die bis Pigalle fuhr.

Freitag

Ausflug aufs Land. Morgens noch Regen. Am Gare du Nord gab ich einem Mann 10€, der mir am Ticketautomaten half, das war aber viel zu viel. Mit dem Vorortzug in 40min nach La Plessis-Belleville. Vor dort zu Fuß über die Landstraße nach Ermenonville. Auf der Karte sah das harmlos aus, in Wirklichkeit brauste dort alle 1-2 Minuten ein Konvoi von Sattelschleppern vorbei, die mich in den Randstreifen zwangen. Kaum Platz. Dieses Verkehrsaufkommen hatte vielleicht mit dem nahen Flughafen Charles de Gaulle zu tun.

Nach einem Kreisel wurde es dann ruhiger. Ermenonville, ein beschauliches Dorf, an dessen Rand das Schloß und der Park Jean-Jacques-Rousseau lagen. Zum Glück geöffnet. Zentrum des Parks ein künstlicher See, an dessen Ende die Toteninsel mit dem Kenotaph von Rousseau lag. Heute in in prächtigen leuchtenden Herbstfarben.

[…]

Samstag

Passage Jouffroy

Passage Jouffroy

Vom Hotel aus in die Innenstadt. Erste Passagen besucht. Passage Verdeau, Passage Jouffroy, Passage des Panoramas. Dann Galerie Vivienne und Galerie Colbert. Durch die winzige Passage des Deux-Pavillons in den Jardin du Palais Royal. Großartig dort in der Sonne am Wasserbasin zu sitzen.

Weiter Passage du Grand-Cerf und Passage Bourg-l’Abbé, sowie Passage de l’Ancre. Kam sodann ans Centre Pompidou. Nach vorsichtigem Zögern entschloss ich mich doch zu einem Besuch. Der Andrang war nicht allzugroß. Gewaltig die Eingangshalle, die stark an einen Flughafen erinnerte. Mit Absicht natürlich. Ich war dennoch irritiert. Ständige Sammlung im 5. Stock mit fantastischem Blick über Paris. Die Kunst gefiel mir nicht besonders, zu sehr ein geläufiges A-Z der Moderne bis zur Gegenwart. Solide Sachen, kaum wirkliche Highlights. Otto Dix ›Portrait der Sylvia von Harden‹ entweder ausgeliehen oder im Depot.

Anschließend einen Block weiter zu Les Halles. Gleiches Prinzip wie Centre Pompidou, nur für die Mittel- und Unterschicht. Alles war käuflich und in Tüten abpackbar. Erstand dort das Parfum für meine Mutter. Froh, aus dem Gelände rauszukommen.

Zuletzt noch am Hôtel de Ville einen Blick auf die Seine geworfen. Metro zurück nach Pigalle. Dort herrschte Aufmarsch zum Montmartre. Im Supermarkt Kids, die Alkohol abschleppten. Samstagabend.

Sonntag

Vom Gare du Nord mit der Vorortbahn nach Saint-Denis. Keine 10min und schon eine ganz andere Welt. Das Stadtzentrum von einem brutalistischen Einkaufszentrum mit Ladenpassagen und die Straße überspannenden Hochebenen besetzt. Vielleicht aus den 1970ern oder frühen 1980ern. Krass. Nebenan noch ein altertümliches Rathaus, samt Rest an Parkanlagen. Nahm einen Kaffee und futterte das Frühstückscroissant aus dem Hotel.

Mit der U-Bahn in einem weiten Bogen zur Nationalbibliothek, die in einem riesigen Areal an der Seine lag. Beim Anstehen wunderte ich mich über die vielen jungen Leute mit mir in der Schlange. War Proust wirklich so populär unter ihnen? Später, als ich als einziger an der Kasse stand, merkte ich, dass es Studenten waren, die offensichtlich das reguläre Angebot der Bibliothek nutzen wollten.

Proust Ausstellung zu seinem 100. Todestag. Wie schon im Centre Pompidou erschien mir auch hier Darbietung des Materials eher betulich, konservativ. Schön einmal, die monströsen Schriftrollen des Originalmanuskriptes von »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit«, sowie die Korrekturfahnen, an die Proust immer neue Zettel mit Anmerkungen geklebt hatte, zu sehen. Mehr fand ich aber nicht. Zum Ankauf des Katalogs musste ich mich schon überwinden.

Auf dem Rückweg kam ich am Ende des Parc de Bercy an einer Ladenstraße unter freiem Himmel vorbei, Cour Saint-Émilion. Sehr nett dort für eine Stärkung eingekehrt.

Dann, bei erneut einsetzendem Sonnenschein, der die grauen Wolken des Nachmittags vertrieb, ein Zwischenstop an der Bastille. Abendstimmung am Kanal.

Montag

Konnte das Désert de Retz leider nicht besuchen, hatte mich in den Öffnungszeiten vertan. Nur Samstags! Dafür dann weitere Passagen besucht. Passage de Choiseul, großartig. Schöne Läden für Büroartikel und Künstlerbedarf. Wie die dufteten!

Dann in Richtung Les Halles, wo es einige Läden für Küchenbedarf geben sollte. Leider hatte ich mit meinem Kupfertopf keinen Erfolg, selbst beim absoluten Spezialisten, E. Dehillerin, nicht.

Zwischendurch Wein gekauft und ins Hotel gebracht. Von dort zum Parc Monceau. Kleine Kaffeepause dort. Dann mit der Metro nach Saint-Germain des Prés. Gleich hinter dem Café de Flore ein größerer Kunstbuchladen. Mehrere ansprechende Bücher über Proust entdeckt, aber ich halte mich zurück. Lasse mich so treiben, komme bei Saint-Sulpice vorbei. Pause. Durch die Rue de Grenelle (voller kleiner Läden) zur Rue du Bac. Dort Metro zum Hotel. Nach dem Abendessen ein letzter Rundgang durchs Viertel.

Dienstag

Abreisetag. Schnell noch beim Bäcker um die Ecke ein Brioche gekauft. Dann in den Supermarkt für Käse und Butter. Mit dem Koffer über den Boulevard bis Barbès – Rochechouart gerollt. Das war nicht so weit. Zwei Stationen mit der Metro bis zum Gare de l’Est. Der Zug stand schon bereit. Abfahrt um 11:00 und dann in einem Rutsch in Windeseile bis Straßburg. Das ging rasant. 15:00 schon in Frankfurt. Ich hatte fast Jetlag.

Fortsetzung folgt…

  

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