Pfingstsonntag und das Klassentreffen

Loreley, immer wieder schön.

Loreley, immer wieder schön.

Der Morgen begann mit bedrückendem Dauerregen, der meine Stimmung trübte. Warum wollte ich nochmal an den Rhein fahren? Ja, Klassentreffen. Aber jetzt nicht so früh, worauf ich die Fahrt erneut buchte, um entspannter anreisen zu können.

Es jährte sich in diesem Jahr mein Abitur zu seinem 40. Jubiläum, zu dem mich schon im letzten Herbst die Einladung meiner Mitschüler erreichte, dieses Datum mit ihnen zu feiern. Die zurückliegenden Jahre hatte ich nie daran teilgenommen, weil mich wenig mit meiner Schule und dem Ort, an dem ich sie besucht hatte, verband. Seitdem wir das Haus der Eltern verkauft hatten, war allerdings eine der vormaligen Bindungen verschwunden. Zudem dachte ich, 40, das ist die letzte Gelegenheit, die Erinnerung nimmt immer weiter ab und dann wirst du nicht mehr wissen, wen du da eigentlich vor dir hast.

Trotzdem unternahm ich mit einigem Bauchgrummeln die Reise, die noch in Frankfurt im Regen begann. Immerhin besserte sich das Wetter, am Rhein anlag, wie immer schön und stimmungsvoll. Ich kam mit Verspätung an, worauf ich auf den größten Teil des Fußwegs verzichtete und mir ein Taxi nahm, hinauf zum Berg, wo ich ausstieg und über die Felder meinem Ziel entgegenlief. Dabei einen flüchtigen Blick auf den Tennisplatz werfend, der am Sonntag still und friedlich da lag, Ort zahlloser kleiner Dramen meiner Jugend.

Zur Begrüßung: ABI 84

Zur Begrüßung: ABI 84

Endlich betrat ich das Gartenlokal, in dem die Feier stattfand. „Wer sind wohl all‘ die alten Leute?“, war mein erster Gedanke. Auf den ersten Blick sah ich nur Fremde. Wir waren ein großer Jahrgang gewesen. Selbst am Tag des Abiturs hatte ich vieler meiner Mitschüler nie gesehen. Die Zeit hatte ihr übriges dazu getan. Endlich bemerkte ich hier und da noch Ähnlichkeiten, die mit der Erinnerung einhergingen und Zutrauen erzeugten. Ja, Du … damals …

So weilte ich weitgehend unter denen, mit denen mich schon damals in der Schule gemeinsame Interessen verbanden, mal hier und da von einem zu dem anderen wechselnd. Wie so auf einer Party üblich blieben die Themen und Gedanken unvollständig, der Austausch manches Mal auf Stichworte beschränkt. Was war dabei wohl in 40 Jahren geschehen? Bei fast allen Gesprächen, so merkte ich schnell, stand die Sorge um die Eltern, deren Gebrechen und Verfall, im Mittelpunkt, mehr noch als die Kinder, vielleicht der einzige gemeinsame Nenner. (Und betrüblich, 4 Ehemalige waren schon verstorben.)

Klassentreffen. Alle zusammen versammelt.

Alle zusammen versammelt.

Als dann mit einem plötzlichen Gewitter der Aufbruch anstand, ich noch von einem alten Freund an die Bahn gebracht und dann wieder allein im Zug saß, an die Funktion übergeben, – was blieb zurück? Zerstreutes, das zusammengesetzt, verbunden werden wollte. Eine Zeitreise tat ich, von der Gegenwart in die Vergangenheit, von dort und wieder zurück. Orientierung suchend verloren.

Schließlich die Bundesbahn, der Einbruch der Realität, ihr Zug hat momentan eine Verspätung von … Dunkelheit am Rhein. Endlich in Frankfurt angekommen, lief ich zu Fuß durchs Bahnhofsviertel … nach Haus.

Am nächsten Tag, dem Pfingstmontag, zum Glück frei. Langsam machen, mit dem Rad zu einer Inspektionstour ins Gallus fahren. Schnitzel dort schon 16 Euro.

  

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