Notizen aus meiner vorläufig letzten Woche in Paris.
🔵 Montag (24.11.), milder Sonnenschein. Gleich auf die andere Seite zu Bon Marché. Letzte Einkäufe und Dérive. Die Herrenabteilung wirkt nicht ganz verkehrt, außer, dass sie so bedrückend im Keller liegt. Weiter Bummel durch die Rue du Bac. Der Laden mit den Smörrebröd täte mich sehr verlocken, nur ist es zu warm, um so ein Teil durch die halbe Stadt zu transportieren. Der letzte Samstag wäre ideal gewesen. Nach Einkäufen und Kaffee bei mir im Viertel (Jules Joffrin) wieder Telefon mit dem Cousin. Schön, dass uns nicht die Themen ausgehen.
🔵 Dienstag (25.11.), letztes Mal Sprachcafé bei Robert Sabatier. Diesmal wieder mit Wanda. Bei ihr komme ich immer gut drauf. Die italienische Praktikantin ist heute auch zum letzten Mal da. Schade an diesem Format, dass es immer so ein Kommen und Gehen ist. Torrance, der Neuseeländer, soll aber wohl bald wieder mit dabei sein. Er bleibt nur über Weihnachten in Neuseeland.
Am Nachmittag in die deutsche Bibliothek. Weitere Recherchen in Sachen deutsches Exil 1933-40. Anschließend in die Tuilerien. Der große Weihnachtsmarkt dort ist auch nicht anders als bei uns. Es wird sogar auf deutsch Glühwein angezeigt. In den Gartenanlagen und hin zu Concorde sehr schönes Licht bei dramatischen Wolkengebirgen. Erinnerte mich an die gleiche Jahreszeit in Wien vor vielen vielen Jahren.
🔵 Mittwoch (26.11.), am Morgen gleich mein Schließfach nahe Gare de l’Est übernommen. Nach einigen Hindernissen (es geht alles nur über App) hat es doch überraschend problemlos funktioniert. Da heute freundlich grau diesig nach St. Germain. Da ein erster Versuch, die Fassade der Kunsthochschule am Quai Malaquais zu fotografieren. Ein schwieriges Motiv. Von dort aus, praktisch, mit der RER B nach La Courneuve. Eine weitere Erkundung. Ich hatte mir Banlieue eigentlich wie ein stilistisch geschlossenes Terrain vorgestellt (so 70er Jahre Brutalismus). In La Courneuve gibt es das zwar, aber mehr in Inseln um die herum gewöhnliches städtisches Umfeld, Blockrandbebauung, Einzelhäuser, Gewerbehöfe liegt. Nicht alles sie so aus wie Les Olympiades (den Film zu diesem Quartier kann man derzeit auf Arte sehen).
Am Abend dann Atelier de conversation mit einer Überraschung: es soll gemalt werden. Eine Frau hatte Keramik (Tassen und Fliesen) und entsprechende Farben mitgebracht. Ich nahm mir gleich ein Kachel vor und versuchte mich an einer ‚Impression‘ der Banlieue. Ein Idealbild. Zu meiner Überraschung fanden alle zu ausdrucksstarken Findungen. Keine schien mir wirklich missglückt.
🔵 Donnerstag (27.11.), wieder Regen, den ich zu einem erneuten Besuch in der deutschen Bibliothek ausnutzte. Seltsamerweise hatten sie die Bücher, die ich Dienstag benutzt hatte, noch nicht an ihren Platz zurückgestellt. Ich nahm die Lücke zum Anlass, mich weiter im Freihandbestand umzusehen. Dabei fiel mir ein Buch in die Hände, das Kunst aus evolutionsbiologischer Perspektive erklären wollte. Nicht ganz mein Ding, aber mit einigen mir neue Anregungen. So nahm ich die Sexy Stoneaxe Theory und die Costly Signal Theory mit in mein Gepäck auf. Vielleicht können sie sich nochmal als nützlich erweisen. Danach Ternes. Die Rue Saint-Ferdinant erwies sich allerdings als enttäuschend. Wenig interessante Läden, kaum Weihnachtsschmuck. Ich lief lieber noch drei Schritte durch die Rue Poncelet.
🔵 Freitag (28.11.), noch ein Regentag. Morgens Sprachcafé bei Goutte d’or (auch letztes Mal). Wir sprechen über Weihnachtsbräuche. In Südamerika und Mexico scheint es auch zu Santa Claus böse Geister zu geben, die man besser nicht reizt. Anschließend in die Passage Choiseul, wo ich ein neues Armband für meine Uhr erwerbe. Pause in dem kleinen Café am Eingang der Passage, das sich als überraschend nett erweist. Neben mir lassen sich zwei sehr alte Damen nieder. Es tut mir leid, sie zum Aufstehen bewegen zu müssen, als ich aufbreche. Ins Marais. Zwei neu entdeckte Adressen für Herrenmode geben leider nicht viel her. Das ist schade am Marais. Licht und Schatten liegen in diesem Viertel nahe bei einander.
🔵 Samstag (29.11.), Bummel am Boulevard de Sébastopol, letztes Mal Figaro Week-end erworben. Dann mit dem Bus 38 auf die andere Seite bis Luxembourg. Kaffee und Croissant beim Bäcker geholt, in den Park. Dann in der Rue de l’Odéon einen Laden entdeckt, dessen Name mich gleich ansprach: Altona. Tatsächlich auch Herrenmode, vorwiegend Pullover/Strick und Hosen in seltsamen, gedeckten Farben. Fast unmodisch. Ich glaube, das könnte das nächste Mal etwas werden. Beschwingt, fast überdreht durch die Gassen jenseits des Boulevards Saint-Germain gelaufen.
🔵 Sonntag (30.11.), endlich wieder Sonnenschein. Erster Advent. Ich hatte mir gestern noch schnell Tannenzweige und etwas Schmuck besorgt. Gegen 11 läuteten die Glocken von Sacre Coeur. Nach dem Frühstück musste ich den Koffer in mein Schließfach bringen. Darin Sachen, die ich für den nächsten Aufenthalt nicht wieder mit nach Frankfurt nehmen will. Überlegte, was weiter mit dem Tag tun … An die Marne wäre zu weit gewesen; so entschied ich mich für den Jardin des Plantes.

