Auf Inselwegen

Im Parc de l'île Saint-Germain bei Issy, südwestlich von Paris. Vorfrühlingsstimmung.

Im Parc de l’île Saint-Germain bei Issy

Notizen aus meiner fünften Woche in Paris. Im anbrechenden Frühling.

🔵 Montag (2.3.), nach meiner Rückkehr aus Frankfurt wollte ich gleich den Jardin du Luxembourg aufbrechen, um dort die Magnolienblüte zu betrachten, von der schon seit einigen Tagen im Netz berichtet wurde. Passend dazu Sonnenschein und übernatürliche Wärme. Immerhin hatte ich mich in Frankfurt mit leichterer Kleidung versorgt. Und da ich schon in der Gegend war, sah ich mir auch die Hausnummer 70bis in der Rue Notre-Dame-des-Champs an. Ein Haus mit reicher kultureller Geschichte und, für meine Forschung interessant, zeitweiliger Wohnsitz deutscher Emigranten in den 1930er Jahren. Pause beim Bäcker an der Ecke zur Rue Vavin, den ich schon neulich entdeckt hatte. Der mit den Stühlen, die wie Eames-Sessel aussahen.

Magnolienblüte im Jardin du Luxembourg, 2.3. 2026

Magnolienblüte im Jardin du Luxembourg, 2.3. 2026

🔵 Dienstag (3.3.), morgens Sprachcafé bei Robert-Sabatier. Wir bekamen ein Spiel, 13 Mots, bei dem man zu zufällig zwei gezogen Wörtern Assoziationen bilden musste. Nach jeder Runde fiel ein Wort weg, so dass es zum Ende immer schwieriger wurde, sinnvolle Zusammenhänge zu finden. Wie passten „Sushi“ und „Badeanzug“ zusammen? Ich war überrascht, wie aufreibend das Spiel war. Am Ende brummte mir ganz schön der Kopf.

Nachmittags mit dem Bus zum Place de Clichy. Durch Zufall einen riesigen, unterirdischen Baumarkt entdeckt. (Wie das Grab eines Pharaos.) Und ein Selbstbedienungsrestaurant, Flunch. In der Buchhandlung das Buch von Patrick Modiano über die Bewohner der 70bis erstanden. In Batignoles bei einem Kaffee darin geblättert. Seltsam, Modiano erwähnte die Emigranten nicht, die dort gelebt haben sollen. Waren sie ihm nicht wichtig oder lagen vielleicht meine Quellen falsch?

Am Abend wieder Videokonferenz der Kunsttalk Gruppe. Anfangs zäh, eine Stunde ging es über Windräder und den Protest dagegen. Ich wäre beinahe ausgestiegen, konnte aber dann doch noch die Konversation in kulturelle Fahrwasser lenken. (Notiz: gleich nachher ein paar Aufzeichnungen machen, worum es ging. Auf Twitter sehe ich nur, dass ich diesen belgischen Künstler erwähnte, der aus verwesenden Tieren Strom erzeugte.)

🔵 Mittwoch (4.3.), die Stadt Frankfurt hatte mir tatsächlich meine Wahlunterlagen für die Kommunalwahl nach Paris geschickt. Jetzt konnte ich auf diesem riesigen Blatt Papier zum ersten Mal wieder seit 15 Jahren 93 Stimmen verteilen und dann den kissendicken Umschlag zurück nach Frankfurt senden, was mich satte 11,65€ kostete.

Dann endlich wieder nach La Courneuve. Zu meinem Glück konnte ich in der Mediathek erfahren, dass Freitag dort eine Konversationsrunde stattfinden würde. Supi.

🔵 Donnerstag (5.3.), Ausflug nach Robinson, im Süden von Paris. Der Park Henri Sellier lag schon auf einer Anhöhe, von der aus man einem Blick über das Pariser Becken hatte. Nach drei Tagen knalligen Sonnenscheins schien mir heute ein leichter Dunst in der Luft zu liegen, vielleicht der Fotografie förderlich. Ich nahm mir für den Rückweg zwei Objekte in der Nähe von Alésia (14e) vor. Doch kurz vor der entsprechenden Örtlichkeit sah ich schon die Wasserspuren. Eben war die Straßenreinigung dort vorbeigefahren. Nasse Straßen konnte ich gar nicht gebrauchen. Aus. Auch mit dem zweiten Objekt hatte ich Pech. Zunächst sah der Blick auf das Haus 23 Rue Bénard (ein Wohnsitz Walter Benjamins) frei aus, doch in Sekundenschnelle parkte sich ein weißer Lieferwagen davor. Klassiker. Da konnte ich einpacken. Nur noch Einkauf beim Carrefour und dann nach Haus.

🔵 Freitag (6.3.), gleich morgens nach La Courneuve zur Konversationsgruppe. Ausgangspunkt war ein Chanson von Gaël Faye. Die Trainerin bemühte sich immer, Kunst und Kultur unterzubringen. Aber ich war nicht sicher, ob das wirklich bei den Damen (es waren außer mir nur solche da) eines anderen Kulturkreises ankam. Das französisch-algerische Verhältnis war vielleicht für Menschen mit einem südostasiatischen Hintergrund auch nicht unbedingt einsichtig, sogar exotisch?

Danach, weil heute mal wirklich grau und gut für die Fotografie, weitere Erkundigungen in der Gegend von Drancy Avenir. Riesiges Shoppingcenter dort, das auffällig leblos wirkte.

Über Saint-Denis/Saint-Ouen zurück. Ich kam beim Kulturzentrum Joli Mai vorbei, wo ich erfuhr, dass sie auch wegen Ramadan geschlossen hatten. Na denn.

🔵 Samstag (7.3.), wieder ein Samstag in Paris. Mein Programm, erst bei Réaumur-Sébastopol den Figaro kaufen, dann die Rue Étienne Marcel bis zum Place des Victoires. Am Place des Petits Pères fand sich wieder ein Flohmarkt. Ich aber weiter zum Jardin du Palace Royal, wo die Magnolien in voller Blüte standen. Das Wasserbecken hingegen war noch nicht gefüllt. Mit dem Bus 95 auf die andere Seite bis Luxembourg, dort durch den Jardin bis zur Rue Vavin und die ganz Rue des Rennes bis Saint-Sulpice. Dort Métro zu mir und bei Monoprix eingekauft. Später noch ins Lager, leichtere Hosen geholt. Die Wärme war kaum auszuhalten. Knapper Weg am Canal Saint-Martin, wo bei dieser Stimmung (das Licht goldgelb durch den Saharastaub) alle Welt unterwegs war.

🔵 Sonntag (8.3.), die neulich entdeckte Seite Helloways schlug mir einen Spaziergang auf der Île Saint-Germain vor, ganz im Südwesten von Paris. In meinem Sinne, denn ich mag es immer am Wasser. Anfahrt einfach mit der RER C Richtung Versailles bis Issy Val de Seine. Die Insel in der Seine glich der Anlange nach einem großen Landschaftsgarten, was mich an die Freundschaftsinsel in Potsdam erinnerte. Von der Größe aber etwa doppelt so groß. Die Sonne schien mit voller Kraft. Kaum zu glauben, dass wir erst Anfang März hatten.

Das weitere Issy gab weniger her, außer dem Eindruck einer wohlgenährten Vorstadt vor den Toren von Paris. Am Hang streifte ich noch kurz einen botanischen Garten von bescheidener Größe. Ich hatte mehr erwartet. Irgendwo in der Ecke lag auch das Anwesen von Rodin, Meudon.

Auf dem Rückweg über Porte de Versailles schaute ich kurz im Parc Luxembourg vorbei, wo ich an den Kastanien die erst grünen Triebe entdeckte. Soooo früh!

Ergänzungen folgen

  

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