Büchermarkt & Kunstdiät

Büchermarkt zu Füssen von Saint-Sulpice. Paris.

Sonntag. Büchermarkt zu Füssen von Saint-Sulpice.

Bericht aus meiner 17. Woche in Paris, die sich in weiter steigender Hitze, einem kurzen Ausflug nach Frankfurt und abruptem Wetterumschwung zum Sonntag erging.

🔵 Montag (25.5.), Pfingstmontag. Nach Einkauf beim Super U machte ich mich auf, die Hitze außerhalb meiner Wohnung irgendwo im Schatten auszuhalten. Nächste Grünfläche war der Square Léon-Serpollet in der Rue Marcadet. Vorher besorgte ich mir noch beim Bäcker einen Kaffee. Den kleinen Park erinnerte ich noch vom letzten Jahr. Ein Springbrunnen verschaffte ein angenehm plätscherndes Geräusch, wie es sich nicht in allen Anlagen finden. Später am Nachmittag dann das Telefonat mit dem Cousin, der mir ein Ergebnis der Textgeneration mittels KI vorstellte, das mein Urteil bestätigte, dass die KI zwar schon sehr weit kam, aber in dem Moment versagte, wo es darum ging, eine Tendenz herzustellen. Das merkte man auch an bestimmten Formulierungen, die zu Bildern oder Metaphern neigten. Die waren oft nicht ganz stimmig. Am Abend dann, trotz des Feiertags, Atelier de Conversation. Ich freute mich schon darauf, angesichts geringer Teilnehmerzahl, von Michel etwas über den Vortrag der Poesie an französischen Schulen zu erfahren, als eine Gruppe von etwa 10 Mädchen mit einem älteren Herrn im Schlepptau bei uns auftauchte. Es handelte sich um Schülerinnen einer Handelsschule, die so etwas wie ein soziales Jahr absolvierten, worin sie verschiedene Einrichtung besuchen sollten, eben auch das Maison de la Conversation. Von Sinn und Zweck unserer Zusammenkunft hatten sie keine Ahnung und auch ihr Lehrer erging sich nur in Gemeinplätzen wie, das Soziale sei in Frankreich sehr wichtig. (Wie der Wein oder der Käse?) Ich fand das arg frustrierend, weil ich mich ein weiteres Mal um einen Austausch auf Niveau gebracht sah.

🔵 Dienstag (26.5.), am Morgen Sprachcafé bei Robert Sabatier. Mit Pierre. Ein große Gruppe wieder, aber es klappte doch ganz gut mit Fragen in der Art „Welches Tier wärest du gern?“ oder „Welche Person?“ alle zum Reden zu bringen. Anschließend Kaffee beim Bäcker in der Rue Versigny, dann zum Monoprix und sonst nur noch in der Wohnung verbracht. 16:30 zum Gare de l’Est, der schon vor Hitze überkochte. Zum Glück wurde der Zug schon ein gutes Stück vor der Zeit bereitgestellt, so dass ich mich in den klimatisierten Wagen retten konnte. Die Fahrt verlief trotz einer verspäteten Abfahrt und Verspätung durch Grenzkontrollen ruhig, bis wir kurz hinter Mannheim unerwartet zum Stehen kamen. Die Erklärung, jemand hatte auf einer Toilette geraucht und die Brandmeldeanlage ausgelöst. Diese musste wieder in den Ausgangszustand gebracht werden. Mit tat der der Zugchef leid, der uns jetzt erklären sollte, dass einige Reisende, keine 20min vor Frankfurt, ihre Züge nach Berlin und Leipzig nicht mehr erreichen würden. Es ging dann doch weiter, so dass für mich nur 24min Verspätung aufliefen. Um 21:37 kamen wir an, um 22:00 stand ich schon vor meiner Wohnung. Rekord, nicht?

🔵 Mittwoch (27.5.), auf einmal wieder Frankfurt. Nach 12:00 in die Stadt, bei P&C einen Short erworben, an der Konsti für Kontoauszüge in die Bank, dann mit der U4 nach Bornheim, wo ich das Fischauto vorfand und noch die seltsame Idee hatte, bei Hitze und prallem Sonnenschein, bei dem Fahrradhändler in Alt-Bornheim vorbeizuschauen. Gut, ich wollte sichergehen, ob es sich lohnte, nach meiner Rückkehr bei ihm nach einem Rad zu schauen. Wie es sich ergab, hatte er nur genau ein Modell in der Art anzubieten, die mir vorschwebte. Ich setzte meine Einkäufe in der Bergerstraße fort. Da konnte ich alles bekomme. Am frühen Abend schaute ich nochmal bei der Bibliothek der Sprach- und Kulturwissenschaften vorbei. Da fand ich immer wieder neue anregende Bücher. Kleinigkeiten für Paris, mit Ausflugszielen im Umland. Schloß Vaux-le-Vicomte bei Melun klang interessant.

Schloß Vaux-le-Vicomte bei Melun, 27.5. 2026

Schloß Vaux-le-Vicomte bei Melun, 27.5. 2026

🔵 Donnerstag (28.5.), morgens schnell zum Rewe, Proviant einkaufen, Kleinkram beim dm, der in Frankreich unnötig teuer wäre und bei der Post ein Einschreiben, weil sich diese sch*** Beitragsservice erdreistete, meine Widersprüche als verspätet zugestellt zurückzuweisen. Dem musste ich einen Riegel vorschieben. Dann Wohnung aufgeräumt, Daten gesichert, einiges für meine Rückkehr schon geordnet. 16:00 aus dem Haus und mit dem Bus 64 zum Hauptbahnhof. Diesmal saß ich im TGV unten. Zuerst dachte ich das geht gar nicht, dann gewöhnte ich mich daran. Zug wie gewohnt pünktlich in Paris angekommen, ich in die Métro und 20min später schon zuhaus, wo ich den Mond beobachten konnte, wie er über die Häuser streifte. Jetzt liegen noch etwas mehr als vier Wochen in Paris vor mir.

🔵 Freitag (29.5.), große Runde heute im Sprachcafé bei Goutte d’Or. 15 Personen. So viele hatten wir noch nie. Entsprechend gedämpft meine Stimmung, denn mehr als eine Vorstellung der neuen Teilnehmer kam nicht herum. Nach Einkauf beim Aldi fuhr ich in die Stadt. Im schwedischen Möbelhaus erwarb ich eine leichtere Bettdecke, da meine winterliche Einlage den derzeitigen Temperaturen nicht standhielt. Kaffeepause in der Markthalle in der Rue du Château d’Eau. Da war nichts los. Anschließend hielt ich mich in der Bibliothek Robert Sabatier auf, die besser gekühlt war als meine Wohnung. Ich fand ein Buch über die Geschichte der französischen Sprache. Rein formal dürfte sie 2039 ihren 500. Geburtstag feiern. Denn 1539 publizierte Robert Estienne das erste Wörterbuch Französisch – Latein. Eine Ausgabe Französisch – Französisch gab es erst um 1680 (Pierre Richelet).

🔵 Samstag (30.5.), schwere Hitze. Gleich zuerst zum Brunnen, Wasser holen. Dann von Lorette aus immer im Schatten zum Bäcker am Place des Petits Pères. Aber da schon zu heiß, besser im unter den Bäumen am Springbrunnen im Jardin du Palai Royal. Wenig Betrieb. Waren alle vor der Hitze geflohen? In meiner Wohnung versuchte ich es mit Ventilator, feuchten Handtüchern durch die Luft gewirbelt und Wassernebel (Home brumisateur) einigermaßen auszuhalten. Trotzdem stieg die Temperatur auf 29°. Ab 27° wird es unangenehm. Deshalb fuhr ich mit dem Rad zum Joli Mai in Saint-Ouen. Das Straßenfest war schon in vollem Gange und überraschend ausgedehnt. Nach einem kurzen Rundgang musste ich auch wieder zurück, für Fußball. PSG gegen Arsenal. (Nicht dass mich das interessiert hätte, nur für den Fall, dass in einer der Konversationsgruppe darüber gesprochen würde.) Ein weitgehend langweiliges Spiel, das mein Vorurteil gegenüber dem Profisport nur bestätigte. Die Entscheidung fiel in allerletzter Minute im Elfmeter. Dafür fast zwei nutzlos Stunden zugebracht. Es war schon nach 21:00, aber ich radelte nochmal zum Joli Mai. Eine Coverband spielte gerade auf. Mir lag dieses Format. Gute, bewährte Hits spielen, da konnte nichts falsch gehen.

🔵 Sonntag (31.5.), Temperatursturz über Nacht von fast 10°, der Himmel grau. So sollte es wieder erträglich sein. Ich fuhr nach dem Frühstück zu Saint-Sulpice, wo auf dem Vorplatz ein Büchermarkt stattfand. Zum Glück hatte ich keine Geld dabei, sonst wäre ich mit Mengen davon gegangen. Mein Kreislauf lag im Keller, ich überlegte einen Kaffee einzunehmen, versuchte es zuerst mit dem Café de la Mairie direkt am Platz, fühlte mich da aber nicht wohl, entdeckte dann beim Carrefour einen Automaten, der aber nur heißes Wasser ausgab und mich in die unangenehme Lage brachte, mich beschweren zu müssen, bis ich dann sah, dass der Büchermarkt selbst eine Kaffeeecke besaß. Da ging es prima, zusammen mit dem Croissant, das ich dem Carrefour abgetrotzt hatte, dafür, dass sie mir den Kaffee nicht ersetzten wollten. So zu Kräften gekommen, machte ich mich dann nach Belleville auf. Dort suchte ich mit gebotener Vorsicht einige Kunstorte zum diesjährigen Atelierrundgang zu besuchen. Quasi diätisch. Wie schon im letzten Jahr zeigte das Format die deutlichen Unterschiede zwischen der besonderen Qualität der Orte und der weniger besonderen Qualität der Kunst auf. Beispiel 156 Rue Oberkampf, ein grandioser Gewerbehof rückseitig zu Straße, in dessen Seitenflügeln sich zweistöckige Ateliers befanden, die teils bewohnt waren. Gegen diese Umgebung kam selbst gutgemeinte Kunst schwer an. Gaétan Morales, analoge Fotografie von Architektur und wüstenähnlichen Brachen, sah im Katalog gut aus, vor Ort, in einem vollgestellten Raum weniger vorteilhaft. Die Abzüge zu klein. Immerhin, in der 20 rue de Tourtille eine Neuentdeckung, die das letzte Mal nicht dabei war. Das Projekt Assembler du dehors veranstaltete künstlerische Spaziergänge. Sie sei ›Artiste Marcheur‹ (oder ›Artiste marcher/marchant‹ ?) erklärte mir die Frau dort. Das klang nicht schlecht und ich trug mich in den Newsletter ein. Danach erlahmte mein Interesse. Ich schaute nur nebenan in diese Maschinenhalle, an deren Decke noch das Transmissionsgestänge hing, um bei der dargebotenen Kunst zu schaudern und mich von dannen zu machen.

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