Notizen, Allerlei aus meiner 15. Woche in Paris, die weiterhin von sehr schlechtem Wetter geprägt war. Die Temperaturen mehr als frisch und Regenschauern wie im April.
🔵 Montag (11.5.), heute stand der Besuch bei dem Zahnarzt an, den ich gestern über ein Portal im Internet gefunden hatte. Die Praxis lag praktisch bei République und machte zunächst auf mich einen zweifelhaften Eindruck. Sie sah wie ein Wohnzimmer aus, in dessen Mitte zwischen Grünpflanzen und Ledersesseln sich der Behandlungsstuhl befand. Der Doktor praktizierte offenbar alleine, denn es gab vor seinem Zimmer keinen Empfang und neben ihm auch keine Assistentin. Nachdem anscheinend der direkte Eindruck in meinem Mund nichts ergab, fertigte der Zahnarzt ein Röntgenbild an, digital, wie mir schien, denn es lag augenblicklich auf seinem Bildschirm vor. Auch dieses sollte, wie er mir sagte, in Ordnung sein. Im Hinblick auf eine mögliche Infektion bekam ich zwei Medikamente verordnet, musste 23 Euro Praxisgebühr bezahlen und wurde daraufhin entlassen. Ob das alles wohl so hinkam? Später am Nachtmittag, auf dem Weg zum Bäcker bei Trudaine, löste ich das Rezept ein, dass ich ebenfalls in bar begleichen musste. Nur 16 Euro. Das kam mir günstig vor. Am Abend begab ich mich wieder zur Sprachgruppe in Saint-Ouen. Diesmal blieben wir alle zusammen, so daß sich nach meinem Gefühl der Duktus lockerte. Alle kamen mal dran. Von den Eisheiligen hatte man in Frankreich noch nichts gehört. Die Saints-Froids. Auf dem Rückweg stieg ich bei Place de Clichy aus und lief noch eine kleine Runde durchs Batignolles.
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🔵 Dienstag (12.5.), heute Pankratius, aber in Frankreich war nicht Saint-Pancrace sondern Saint-Achille. Morgens wieder Sprachgruppe bei Robert Sabatier. Meinen Nachfragen folgend, kamen wir auf das Thema Banlieue, das unwillkürlich auch von ihren Bewohnern sprach, die in der Regel nicht aus Europa stammten. Schweigend hörte uns der einzige Teilnehmer (aus Mali) zu, dessen Name mir noch nicht einmal verständlich war. Was mochte er über aus denken, hätte ich gerne gewusst, traute mich aber nicht zu fragen, weil ich fürchtete mit so einem Metathema den Rahmen des eher braven Sprachcafés zu sprengen. Anschließend mit Sayaka auf einen Kaffee, zu dem freundlichst die Sonne schien, so daß wir draußen vor dem Café Nord-Sud sitzen konnten.
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🔵 Mittwoch (13.5.), das schreckliche Regenwetter animierte mich, die Bibliothek des DHI aufzusuchen, doch als ich in Chemin Vert aus der U-Bahn stieg, schien die Sonne. Da fehlte mir plötzlich die Lust auf eine Bibliothek. Stattdessen ließ ich mich durch das Marais treiben, von dunklen Regenwolken verfolgt, die sich sich schließlich bei Republik über mir entluden. Ich flüchtete in der Rue du Château d’Eau in die Markthalle. Dort einen Kaffee obwohl ich anderswo schon einen zu mir genommen hatte.
Die Tage kam mir eine Idee, wie ich die Reise nach Schweden im Sommer organisieren könnte. Ich hatte schon an Flug gedacht, fand aber die Strecke nach Malmö (Kopenhagen) zu umständlich und zu teuer. Als ich es heute mit Stockholm versuchte, klappte es auf Anhieb mit einem günstigen Flug über Helsinki. Noch einen Tag Stockholm, wo ich seit 6 Jahren nicht mehr war und dann mit der Bahn in mein Zielgebiet.
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🔵 Donnerstag (14.5.), Feiertag heute (Ascension) und weiter schlechtes Wetter. Ich fuhr, weil ich neulich mit Sayaka über das 16. Arrt. gesprochen hatte (the least diverse of all arrt.) nach Passy. Keinesfalls unnett da. Etwa so wie Kleinflottbek oder Othmarschen, also fast heimatlich anfühlend. In der dortigen Zweigstelle der Grande Épicerie kaufte ich für einen ordentlichen Betrag ein und wurde dafür noch unfreundlich behandelt. So gehts, nicht? Zwei Minuten Sonne beim Bäcker nahe der Markthalle Passy (ein Traum!), dann die nächste Schauer. Das letzte Wohnhaus Balzacs unterwegs zur U-Bahn ließ ich deswegen aus. Mich fröstelte. Ich nahm die M 6 über Montparnasse und von dort zurück mit der M 4.
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🔵 Freitag (15.5.), nach vier Wochen Pause endlich wieder Sprachgruppe bei Goutte d’Or, aber leider ohne Margot. Zuerst ging es um Käsesorten, dann um unsere Kleidung, die wir erklären sollten, Herkunft der Kleidungsstücke, Marken, Farben, Formen. Da konnte jeder etwas sagen. Anschließend Einkauf beim Aldi. Dann mit dem Rad von mir stadteinwärts die Rue Rochechouart, auf Nebenstraßen zur Rue du Faubourg Saint-Denis. Dort Kaffee beim Bäcker. Über République und Canal Saint-Martin zu mir zurück, immer schwarze Wolken im Nacken, die sich just vor meiner Haustür ergiebig ausregneten.
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🔵 Samstag (16.5.), meine Wochenendprogramm. Mit der M 4 bis Réaumur, Figaro Weekend am Kiosk. In der Rue Réaumur einen neuen Markt entdeckt, der mit Einstandspreisen lockte. Drei Avocados für 3,99€. Kaffee bei Bäcker am Place de Petits Pères. Entlang der Passagen bis Pigalle zurück. In der Rue des Martyrs ein Flohmarkt. Leider nichts für mich dabei. Am Abend zum Brunnen, Wasser holen. Vorher drehte ich eine kleine Runde durch die Markthalle (Marché de La Chapelle). Immer wieder ein erhebendes Gefühl.
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🔵 Sonntag (17.5.), jämmerlicher Regen, der die Durchführung eines Picknicks nahe des Arc de Triomphe zu Sayakas Geburtstag zunichte machte. Stattdessen feierte sie in einem Kulturzentrum, gelegen an der Petite Ceinture. Es war wie im Winter, viele trugen Wollsachen und dicke Jacken. Aber eine bunte, vielfältige Truppe, Frankreich, Japan, China, Österreich, Venezuela. Und dann die mexikanische Band, die mich wirklich überrascht hatte, lag meine Erwartung, ich weiß nicht mehr wieso, eher bei Singer-Songwriter. Das ging dann in genau die andere Richtung. Viva Mexico! Alle mussten tanzen am Schluß. Ich auch. So war der Tag doch noch gerettet.
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