Heute vor 20 Jahren, am 23.10. 1999, kam ich mit dem Flieger in Tokyo an, zu meiner dritten Japanreise. Mein erster Anlaufpunkt war ein Sportplatz nahe der Akihabara Station, wo die Offenbacher Künstlerin Gabi Juvan die letzte Station ihres Fünf Städte Projektes errichtete.
Wie es mir auf meiner bislang längsten Reise in Nippon erging, versuche ich gerade in kleinen Episoden auf Twitter zu erzählen. Dazu braucht ihr einfach dem folgenden Hashtag zu folgen: #japanreise99.
Tag 4 (26.10. 1999): Gabi in ihrem spacigen Kleid zur Eröffnung ihrer Installation in Akihabara.
Hinter ihr der Bürgermeister von Chiyoda-ku, links neben ihr Projektmanager Florian und ganz links der Kulturattaché der Deutschen Botschaft.#japanreise99 pic.twitter.com/SmSjLUR84N
— Realbeck 🇫🇷 (@realbeck) October 26, 2019
Den ersten Tag erzählte ich schon auf der kleinen, aber immer noch lesenswerten Seite bei multi.trudi.
Leider hatte ich damals weitgehend auf Video Hi8 gefilmt, in der irrigen Annahme, dass Video den besten Eindruck des fernen Landes böte. Die Bänder sind fast alle kaputt gegangen. Hätte ich nur mehr fotografiert. Letztlich habe ich auf einer Festplatte noch zwei Ordner gefunden, die Screenshots zweier digitalisierter Bänder enthielten. Die Auflösung ist natürlich winzig, doch immerhin sind sie da und gaben schon Anlaß zur Erinnerung an Umstände, die mir entfallen waren. So, dass ich am dritten Abend die gesamte Bautruppe in eine Sakebar führte, wo wir mächtig abgefüllt wurden. Man sah es später auf den Bildern an den roten Bäckchen. Schön.
Tourdaten:
23.10. bis 31.10 in Tokyo (mit Abstecher nach Nagano). 1.11. bis 10.11. in Kyoto. Insgesamt 4 Auftritte dort. Abstecher nach Izushi. 11.11. bis 13.11. in Wakayama. Ausflug nach Kawayu. 14.11. bis 15.11. in Matsumoto. 16.11. bis 19.11. nochmals Tokyo. Shopping total.
Nochmal: #japanreise99.
Ausführlicher Reiseverlauf
Sa., 23.10. 1999 Tokyo
Morgens mit KLM in Tokyo gelandet. Alles OK. Diesmal mit Keisei Limited Express in die Stadt, der an jeder Ecke hielt. Kostete nur etwa 1000Y. Draußen Regen, drinnen die Fenster beschlagen. Es war feucht und sehr warm. Der Zug füllte sich von Station zu Station immer mehr. Nach etwa 70min in Ueno angekommen. Dort noch 1 Station bis Akihabara, das Schild Electric Town wies mir den Weg. Ich fand ohne Umstände den Sportplatz, denn ich kannte ihn noch von 1995. Gabi kam mir entgegen und ruft: Welcome in Tokyo!
Ich war hundemüde und konnte mich nur durch Energydrinks (Dekavita) auf den Beinen halten. Endlich bravhte mich Florian zu unserer Unterkunft, einem Weekly Mansion in Nippori. Im Zimmer zwei ausklappbare Schlafsessel, ein Bad, eine winzige Küchenecke. Das reichte. Ich fiel nach einem Bad sofort in einen tiefen Schlaf.
So., 24.10. 1999 Tokyo
Als ich aufwachte, war es schon nach 14:00. Machte mich auf, frühstückte in einem Café am Bahnhof Nippori. Draussen ging schon die Sonne unter. Lief in Richtung Ueno Park. Kam schließlich an einer Balustrade aus, von wo ich auf die Ueno Dori und die Gleise des Bahnhofs Ueno blickte. Dann lief ich durch die Ameyokocho immer rechts der Bahnstrecke, bis ich in Akihabara ankam. Dort waren sie schon dabei Feierabend zu machen.
Konnte in der Nacht infolge Jetlag nicht schlafen. Im Fernsehen kam Ghandi. Ich schaute die ganzen drei Stunden. Dann fiel ich in die Kissen.
Mo., 25.10. 1999 Tokyo
Den ganzen Tag auf dem Platz in Akihabara Gabi beim Aufbauen geholfen. Dass die Sonne extrem brannte, merkte ich nicht, aber andere aus dem Team rannten in die nächste Apotheke und kamen mit Lichtschutzfaktor 60 zurück. Niemand aus dem umliegenden Läden wollte Gabi Strom abgeben. Sie musste Generatoren besorgen. Praktisch hingegen, dass es hier alles an Elektrik in Reichweite gab.
Fuhr am frühen Nachmittag nach Kichijoji, wo ich Akira und Tosh treffe. Gingen um die Ecke in ein Isakaya essen. Als ich zu nicht allzuspäter Stunde (noch vor der großen Rushour) nach Akihabara zurückkam, waren sie immer noch am Arbeiten. Morgen ist Eröffnung. Als wir schließlich nach Nippori aufbrachen, lud ich sie aus einem spontanen Entschluss in eine Sake Bar ein, wo wir ordentlich abgefüllt wurden und torkelnd in unsere Quartiere fanden. (Gabi und ein paar andere wohnten 2-3 Straßen entfernt von mir.)
…
Do., 28.10. 1999 Nagano
Ausflug von Tokyo aus nach Nagano.
Fr., 29.10. 1999 Nagano
Von Nagano aus in die Berge nach Nozawa Onsen.
Sa., 30.10. 1999 Tokyo
Von Nagano zurück. Zwischenstop in Bessho Onsen. In Tokyo private Party bei Gabi für das ganze Team.
So., 31.10. 1999 Tokyo
Letzter Tag des Projektes. Abbau in Akihabara. Gabi verliert ihr japanisches Handy.
Mo., 1.11. 1999 Kyoto
Abschied von Tokyo. Mit dem Shinkansen nach Kyoto. Dort Takuya getroffen. Zweite Etappe meiner Reise.
Di., 2.11. 1999 Kyoto
Morgens mit Takuya Besorgungen gemacht. Audiokabel. Abends meine erste Performance in der Voice Gallery. Es gibt davon einen Eintrag:
https://multitrudi.de/japan99/japan99-voicegallery.html
Mi., 3.11. 1999 Kyoto
Frei. Takuya ist an der Kunstschule. Ich laufe von ihm zum Kinkakuji. Nicht weit. In der Nähe ist die Uni. Dort ein Flohmarkt. Ich kaufe unterwegs Sushi für uns. Takuyas Freundin Emi schimpft uns dafür, es sei doch Feiertag, da wäre der Fisch nicht frisch. (Es ist heute Bunka no Hi – Kulturtag -, aber man merkte davon nichts. Alle Läden hatten geöffnet. Die Leute gingen normal zur Arbeit).
Do., 4.11. 1999 Kyoto
Frei. Frühstück in der Sonne auf Takuyas Dachterrasse. Wir sitzen im T-Shirt. So warm ist es. Emi hat aufgegeben und serviert mir Toast und Ei. Ich fahre am Nachmittag mit der Bahn raus nach Arashiyama. Dort brüllen die Herbstfarben. Zurück in die Stadt und Takuya in einem Café getroffen. Er erzählt von einem Laden, den er „Techno-Udon“ nennt. Sie spielen dort Techno zur Nudelsuppe. Leider kommen wir aus einem Grund nicht dazu, wir essen anderswo. Dabei erfahre ich, dass man nicht 2 kleine Flaschen Bier bestellt, sondern 1 große. Dann bliebe das Bier länger kalt.
Fr., 5.11. 1999 Kyoto
Heute Noise Workshop an der City University of Arts.
https://multitrudi.de/japan99/japan99-cityuni.html
Am Abend dann das Fugu Essen. Schocker: Emi hat den Fisch nach Haus bestellt, anstatt ein Restaurant zu reservieren. (Das war ihnen wohl zu teuer.) Angeblich von einem zertifizierten Händler und absolut sicher. Mir war trotzdem so unwohl dabei, dass ich den Fisch kaum herunterbekam. Anwesend waren noch Regine, die Frau aus der Voice Gallery, und eine Freundin von ihr.
Sa., 6.11. 1999 Kyoto
Mein großer Auftritt im Club Metro…
So., 7.11. 1999 Kyoto
Haustag. Im Sento ums Ecks…
Mo., 8.11. 1999 Izushi
Ausflug aufs Land, nach Izushi…
Di., 9.11. 1999 Kyoto
Rückkehr nach Kyoto. Koreanisch essen mit Takuya und einem Freund…
Mi., 10.11. 1999 Kyoto
Vortrag am College of Art and Design. Abends großes Essen mit Prof. Towata…
Do., 11.11. 1999 Wakayama
Abschied von Kyoto. Nach Wakayama zu Freunden von Takuya…
Fr., 12.11. 1999 Wakayama
Haustag…
Sa., 13.11. 1999 Wakayama
Ausflugs aufs Land. Zum Onsen Kawayu…
So., 14.11. 1999 Matsumoto
Abschied von Wakayama. Nach Matsumoto…
Mo., 15.11. 1999 Matsumoto
Stadtbesichtigung. Suche nach einem Onsen…
Di., 16.11. 1999 Tokyo
Von Matsumoto nach Tokyo. Hotel. Treffen mit Tosh…
Mi., 17.11. 1999 Tokyo
Großeinkauf auf der Kappabashi…
Do., 18.11. 1999 Tokyo
Letzter Tag Tokyo. Auf der Cat-Street. Nochmals Tosh getroffen…
Fr., 19.11. 1999 Tokyo
Abreise. Ganz früh weg. Nach Narita. Abflug…
Fortsetzung folgt…




