Abgesehen von einem Ausflug nach Mainz hatte ich das 9-Euro-Ticket bisher kaum außerstädtisch verwendet, so dass mir die Tage der Gedanke kam, trotz der schweren Hitze eine kleine Tour ins Umland zu versuchen. Warum nicht Bad Nauheim?
Bad Nauheim wäre einfach von Frankfurt zu erreichen und versprach, der Erinnerung nach, den wunderbaren Charme alter Bäderarchitektur.
Bei der Anreise von Frankfurt-Süd wurde ich zuerst von lärmigen Fußballfans verschreckt, die mich umgehend und dann doch unnötig in die 1. Klasse flüchten ließen. Der Zug nahm fast leer seinen Weg nach Friedberg auf, wobei er mir einen schönen Umweg über Hanau und die Wetterau bescherte. Wir kamen auch an Assenheim vorbei.
Leider musste ich feststellen, dass der pralle Sonnenschein mit einem knallblauen Himmel, harten Schatten und weitgehend braun-gelb vertrockneten Rasenflächen, dem Eindruck von Bad Nauheim nicht gut taten. Zudem blieb der Sprudelhof, dieses großartige Jugendstilensemble, wegen Renovierung geschlossen. Die ganze Anlage wirkte seltsam entstellt auf mich.
Ich saß anfangs im Park auf einer Bank und mühte mich, das Buch zur Geschichte des Merve-Verlags endlich zu Ende zu bringen. Eine Qual. Dann suchte ich, möglichst im Schatten, nach einem kühlenden Eis, das gefühlt von etwa 30 Eisdielen angeboten wurde. Ich nahm, wie immer, Mango-Zitrone. Die Kugel zu satten 1.40€. (Schnitzel erlugte ich an einem anderen Ort auf der Karte mit 13.90€.)
Bad Nauheim, mochte ich bemerken, ist stimmungsmäßig am Besten im Spätherbst zu erfassen, wenn es grau und nebelig ist. Auch Erinnerungen an Elvis halfen da nicht.
Nach knapp zwei Stunden trat ich, keineswegs zu enttäuscht, die Heimreise an, wobei ich aus Unsicherheit (und man kann wohl auch nicht mehr im Zug nachkaufen) wieder 1. Klasse löste. Immerhin kam der Zug aus größerer Entfernung auf Frankfurt zugefahren. Wiederum dann kaum besetzt.


