Meine Mutter hatte eine Freundin, die Künstlerin war. Ihr Mann Schauspieler. Der sagte mir, als ich im zarten Alter von 17 oder 18 war: „Die Kunst ist das größte Abenteuer unserer Zeit.“
Für ihn ging das so aus:
Irgendwann verstand er sich mit dem neuen Intendanten des Theaters nicht mehr.
Er wurde nicht entlassen, bekam aber keine Rollen mehr.
Er hing zuhause rum, fing an zu trinken und wurde schließlich, wie man es heute dann nennen würde, dement.
Seine Frau, genervt von ihm, schob ihn in eine Kellerwohnung in ihrem Haus ab, wo er verstarb, ohne, dass es jemand mitbekommen hätte.
Nach 3 Wochen entdeckte man ihn durch Zufall, als sich schon die Post vor seiner Tür zu stapeln begann.
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An diese Geschichte musste ich mich erinnern, als ich nach einem Jahr Freier Kunstschule, im Sommer 1986 gefragt wurde, wie es mir in diesem Jahr als Studienanfänger ergangen wäre. Von Abenteuer hatte ich nichts bemerken können. Stattdessen hatten mich die beständigen Sorgen der privaten Kunstschule um ihre Fortexistenz bedrückt. Auch das anthroposophisch geprägte Studienangebot lag mir nicht. Das hätte mir zur Warnung dienen sollen. Ich wechselte auf die staatliche Kunsthochschule, die nicht um ihren Bestand bangen musste. Wirklich besser wurde es aber nicht.
