Von schweren Kopfschmerzen am Morgen geplagt, kam ich nur zögerlich in den Tag. Am frühen Nachmittag schleppte ich mich, der Bewegung willen, in Richtung Grüneburgpark, wo ich erst im Schatten auf einer Bank niedersank, dann mich an den nahen botanischen Garten erinnerte, der mit seinem lauschigen See lockte.
Auch dort im Schatten mit Blick aufs Wasser ging es mir besser. Zur Lektüre hatte ich das Buch »Romanticism against the tide of modernity« von Michael Löwy und Robert Sayre dabei. An ihrem durchaus schlüssigen Konzept eines Romantic anti-capitalism (Romantischer Antikapitalismus) wunderte mich, dass es scheinbar so geringe Verbreitung gefunden hat.
Dabei ist im Kontakt mit Künstlern oder Vertretern des Kunstbetriebs relativ schnell zu bemerken, dass sie »dagegen« sind, »das System ablehnen«, »diesen Kapitalismus« oder einfach nicht »kommerziell« oder »marktkonform« sein wollen, also Einstellungen verkörpern, die nach Löwy und Sayre aus der Romantik stammen. Das ganze Feld der Kunst ist eine einzige Negation der bestehenden Verhältnisse (insbesondere im Denken und im Wirtschaften), deren Gesetze dort nichts gelten.
Nebenbei hatte ich am Freitag endlich eine Wohnung in Paris gefunden. Leider erst ab Anfang Oktober, womit sich die Frage auftat, was ich mit den kommenden Wochen anfangen sollte. Einem ersten Impuls nachgebend, überlegte ich, meiner grönländischen Reisebekanntschaft nach Kanada zu folgen. Ein Flug nach Toronto nur 550 Euro! Dann merkte ich aber, dass ich mich übernehmen würde und nahm daher den Vorschlag meiner Schwester an, mich in der darauffolgenden Woche um die Katze zu kümmern.


