Very english in Le Vésinet

Das Green in Le Vésinet, eine Vorstadt im Südwesten von Paris, nach dem Vorbild englischer Gartenstädte angelegt.

Das Green in Le Vésinet.

Notizen aus meiner 6. Woche in Paris. Weiter gings im Frühling.

🔵 Montag (9.3.), am Mittag zu Fuß Richtung Pigalle (merke: da am Boulevard de Clichy stehen Atelierhäuser. Deren Nordausrichtung macht die Fotografie schwierig.). Weiter bis Rome, Rue des Dames und Rue de Lévis. Da hätte ich beinahe mal gewohnt. Sehr nette Ecke. Pause bei Le Cardinet, im Park Batignolles. Einkauf später da im Carrefour.

🔵 Dienstag (10.3.), im Sprachcafé bei Robert Sabatier kam eine sehr große Gruppe zusammen, die zum ersten Mal daraufhin geteilt wurde. Beim Thema Musik kann jeder etwas beitragen. Musik aus Afrika (Senegal, Kamerun, Kongo) war mir komplett unbekannt. Allgemeine Äußerungen wie: „Musik kennt keine Grenzen.“ machten mich allerdings allergisch. Punk und Hiphop zB. stießen auf allergrößten Widerstand und Missachtung. Ich hätte gern noch den Jungen aus Kamerun gefragt, ob es dort auch Punk gegeben hatte. Kam aber nicht mehr dazu.

Am Nachmittag Telefonat mit der Schwester in Sachen Erbe. Es sah wohl so aus, als müsste ich nochmal nach Potsdam. Zuviel Dinge wären vor Ort zu klären. Anschließend Punkt 16:00 nahm ich die Ausfallsendung für Radio X auf, die für Freitag anstand. Leider ist es momentan schwierig mit Live. Alltag in Paris. Neulich dachte ich, je länger ich in Paris bin, desto schneller vergeht die Zeit.

🔵 Mittwoch (11.3.), Regen. Ich nutzte das für einen Ausflug nach Vitry-sur-Seine, wo sich das MAC VAL Museum befand. Ich hatte es gerade erst in einer japanischen Zeitschrift entdeckt, die ich in einem Lebensmittelladen aufgegriffen hatte. Eine weitere Möglichkeit, die Banlieue zu erkunden. Das Museum ergab sich als ein moderner, überraschend weitläufiger Bau, der ausschließlich französischen Künstlern ab 1950 gewindet war. Darunter praktische keine bekannten Namen, was zur Folge hatte, dass ich mich ausschließlich auf den visuellen Eindruck verlassen musste. Entdeckungen machte ich trotzdem keine, hatte aber auch kein komplett schlechtes Gefühl. Durchschnitt so. Im Anschluß an den Museumsbesuch schaute ich mir Vitry-sur-Seine an.

🔵 Donnerstag (12.3.), mit der RER B bis Cité Universitaire (die Bahn ist angenehmer als die Métro 4) und durch den Parc Montsouris nach Alésia. Einkauf bei Carrefour und Monoprix. Pause beim Bäcker nahe Vavin. Weiter Rue de Rennes bis Saint-Sulpice. Immer nett.

🔵 Freitag (13.3.), morgens endlich wieder Sprachcafé bei Goutte d’Or (nach den Schulferien). Ich weiß nicht, wie wir auf das Thema Straßenmusik kamen, aber Musik an sich ist nicht immer hilfreich, wenn man es dabei belässt, sich nur Youtube-Videos auf dem Handy zu zeigen.

Blöder Regen heute. Nach dem Kurs um die Ecke zum Aldi und später, weil Avocado vergessen, zum Monoprix bei Réaumur. Von dort zum Café in Trudaine. Um 16.00 in meine eigene Radiosendung gehört, aber es nahm mich nicht mehr so mit wie beim letzten Mal. Ein Abnutzungseffekt wahrscheinlich.

Überraschend Post vom Finanzamt bekommen in einer Angelegenheit, mit der ich gar nicht gerechnet hatte. Schlechte Stimmung gerade vor dem Wochenende. Grrrrrrmm.

🔵 Samstag (14.3.), überraschend kälter geworden. Während ich von Réaumur nach Madeleine lief, wurde ich von fiesen Graupelschauern überrascht. Kaffee beim Bäcker. Im Jardin du Palais Royal sprudelte aber schon der Brunnen. Alles ist früher dieses Jahr, auch der April. Am Place Vendôme fand ich schnell das Meter, das dort zur Massnahme nach der Einführung des metrischen Systems angebracht worden war. Es existiert nur noch ein weiteres bei Luxembourg von einstmals 16 im Stadtgebiet.

🔵 Sonntag (15.3.), und wieder Sonnenschein. Am Morgen bimmelte Sacre Cœur. Was wollte ich unternehmen? Zuerst fuhr ich mit der RER A nach Saint-Germain-en-Laye. Dort ging es sonntäglich beruhigt zu. Entgegen meiner Erwartung blieben die meisten Geschäfte geschlossen. Auf dem zentralen Platz fand ein großer Bauernmarkt statt.

Eine Station davor in La Vésinet dachte ich zuerst, nur einen kleinen Blick auf den Teich nahe der Bahnstation zu werfen, doch dann kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es ergab sich eine weitläufige Parklandschaft nach englischem Vorbild, aus weiten Rasenflächen, Bachläufen, Grünstreifen und dazwischen gestreut hochherrschaftliche Villen auf großzügig angelegten Grundstücken. Inmitten der ganzen Anlage erstreckte sich auch ein Green, nach Worten meines Freundes Monti der Ausdruck unbedingter Englishness. Wie passend fand ich sogar eine Tankstelle mit reetgedeckten Dächern vor! Ich fühlte mich an die westlichen Vororte Hamburgs erinnert, Sülldorf, Blankenese, Flottbek. Wie ich später nachlas, wurde Le Vésinet in den 1860er Jahren in Anlehnung an englische Gartenstädte neu angelegt. Heute ist das der teuerste Grund und Boden im Raum Paris.

Ergänzungen folgen

  

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