Ausflug nach Melun

Melun an der Seine, Département Seine-et-Marne, Region Île-de-France, Frankreich

Melun an der Seine

Notizen aus meiner 10. Woche in Paris, die mit dem Ostermontag begann.

🔵 Montag (6.4.), knalliger Sonnenschein wieder. Unschlüssig, wie damit umgehen. Ohne rechten Plan nach Belleville. Sass da angenehm im Parc de Belleville im Schatten der Bäume. So halb unter mir erstreckte sich Paris. Später auf der Suche nach einem neuen Kulturzentrum namens PRINT, das in einer alten Postzentrale untergekommen sein sollte. Mäandernd durch Ménilmontant, das mir nett und schon arg gentrifiziert vorkam. Einen weiteren Besuch könnte ich mir dennoch vorstellen. Später mal. Es gibt immer wieder Entdeckungen.

🔵 Dienstag (7.4.), nach dem Sprachcafé bei Robert Sabatier mit der Japanerin Sayaka auf einen Kaffee beim Bäcker. Erfreuliches Gespräch. Als ich das erste Mal auf die Uhr schaute, war es 16:45! Ui ui, wir hatten da fast 4 Stunden zugebracht. Da war der Tag schon fast gelaufen. Eigentlich stünde heute die Voraufzeichnung meiner Radiosendung für Freitag an, aber mir war schon seit gestern klar, dass ich es nicht schaffen würde. Mein Kopf noch komplett voll mit Postdam und anderen unwichtigen Dingen. Mail an Radio X mit einer Ersatzsendung, 10.4. 2015.

🔵 Mittwoch (8.4.), wieder Sonnenschein ohne Ende. Place de Clichy, Buchhandlung. Von Apur gibt es einen neuen Atlas. Diesmal für die ganze Region Paris. Schwere Versuchung. Aber ohne feste Wohnung ist jedes Buch ein Ballast. Dann Batignolles, Einkauf bei Carrefour, Kaffee im Park. Auf dem Rückweg in der Rue des Moines beim neulich entdeckten Griechen ein paar Leckereien gekauft. Leider stellte sich heraus, dass sie nicht meinen Erwartungen entsprachen. (Seltsam, bislang war kein griechischer Feinkostladen zufriendenstellend. Schade.) Am weiteren Nachmittag Bürokram. Vor allem Steuer für die Mutter, wie es sich aus meinem Aufenthalt in Potsdam letzte Woche ergab. Das musste noch alles zusammengestellt und dann an den Steuerberater geschickt werden.

🔵 Donnerstag (9.4.), nach La Courneuve. Musste schauen, ob sie dort bald wieder Ateliers de conversation anbieten. Denn bei Goutte d’Or drohten demnächst die Schulferien. Über Saint-Denis und Garibaldi in die Innenstadt. Kaffee beim Bäcker in der Rue du Faubourg Saint-Denis. Weiter zur Rue du Château d’Eau. Bus bei Bonsergent zurück genommen. Später zum Place de la Madone. Der Brunnen mit Quellwasser war wieder in Betrieb. Hatte mir dafür nebenan beim G20 einen Kanister gekauft. Sonst noch sehr feine Lichtstimmung, die ich für Fotos am Parc Charbon-Chapelle nutzte.

🔵 Freitag (10.4.), morgens wieder Sprachcafé bei Goutte d’Or. Da musste ich glatt die deutsche Reichsgründung 1871 erklären, samt kleindeutscher oder großdeutscher Frage. Nachmittag vertrödelt, weil im Netz „Violent Cop“ von Takeshi Kitano gefunden. Großartiger Film. Konnte es sein, dass ich ihn erstmals im Rahmen meiner ersten Sakebar 1995 entdeckt hatte? Entweder durch Manfred, der bei der Zeitschrift Art Position Filmkritik geschrieben hatte oder über diesen seltsamen Kontakt nach Bad Homburg, der mir Hardcore- und Splatter-Movies brachte.

Späterer Nachmittag nach Luxembourg. Fotos vom zweiten Metermass in der Rue de Vaugirard und dem letzten Wohnsitz Auguste Comtes, Rue Monsieur le Prince. Zum Schluß fand ich am Boulevard Saint-Germain einen Künstlerbedarfsladen, Rougier & Plé, wo ich eine Schneidmatte erstand. Die waren stark sortiert, die hatten selbst für Architekten Kunstrasen (wie früher für die Eisenbahn).

🔵 Samstag (11.4.), unerwartet kühl und regnerisch. Dachte, es wäre eine gute Idee vom Bäckerkaffee aus mit dem Bus 29 ins Marais zu fahren. Dort aber vollkommen überlaufen. Ich auf Nebenstraßen weg, bis ich vor der Herrenabteilung von Le BHV stand, die auch geschlossen hatte. Traurig.

🔵 Sonntag (12.4.), in meiner Absicht, die Außenbereiche des Verkehrssystems zu erkunden, kam ich auf das Städtchen Melun an der Seine, im Südosten von Paris. Mit der RER D war ich vom Gare du Nord in etwa einer Stunde dort.

  

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