Ausflug nach Pontoise

Steilufer in Pontoise, am Rande der Oise. 30km von Paris entfernt.

Steilufer in Pontoise

Notizen aus meiner 11. Woche in Paris, mit der ich jetzt länger hier bin als bei meinen vergangenen beiden Aufenthalten im letzten Jahr.

🔵 Montag (13.4.), am Mittag gleich ins Marais, wo ich die Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts besuchte und zuerst eine Lesekarte erhielt. Beim ersten Blättern im Freihandbestand fiel mir zuerst ein Buch in die Hände, das in die Nähe meines Themas Exil kam, ein Sammelband zu den deutsch-französischen Kulturbeziehungen nach dem 1. Weltkrieg. Die waren auf französischer Seite besonders schlecht. So schlecht, dass man sich noch nicht einmal die Mühe machte, die Namen deutscher Künstler korrekt auszuschreiben. Statt Nolde schrieb man Nodl, statt Kandinsky Radinski! Die erste Ausstellung mit deutscher Beteiligung in Paris fand erst 1929 statt, 10 Jahre nach Kriegsende.

Abends wieder Atelier de conversation mit einer bislang nicht bekannten Freiwilligen als Leiterin. Es kam eingangs zu einer heftigen Auseinandersetzung unter den Teilnehmern, ob Marokko zur arabischen Welt gehörte oder nicht. Eine Kontroverse, zu der ich wenig sagen konnte. Im Eifer des Gefechts ging manches durcheinander, so dass ein Student aus Mali oder dem Sudan, der einige Redewendungen in Holland aufgeschnappt hatte, mir sagen wollte, das 20-25% aller deutschen Worte aus dem Arabischen stammten. (In Neukölln vielleicht.)

🔵 Dienstag (14.4.), sehr große Gruppe heute bei Robert Sabatier (15 Leute). Da kam nicht so viel herum, besonders, wenn der einzige Muttersprachler nur uns reden ließ. Es brachte mir wenig, mit anderen Menschen schlecht französisch zu sprechen. Anschließend mit Sayaka auf einen Kaffee, die leider nur wenig Zeit hatte.

🔵 Mittwoch (15.4.), Mittags in die Rue du Bac. Immer wieder erhebend. Bei Bon Marché erst nach Wein geschaut, dann einen Blick in die Herrenabteilung geworfen. Zwei Hemden von CDG kämen vielleicht in Frage. Weiter in Richtung Saint-Placide gebummelt. Kaffee da beim Bäcker.

Als später am Nachmittag die Bewölkung zuzog, entwischte ich schnell nach Vert de Maisons, ein Viertel, dessen Wohnhochhäuser ich neulich vom Zug aus bemerkt hatte. Da sah es dann nicht mehr so nett aus wie noch eben im 6e. Mir war nicht wohl, da mit einer auffälligen Kamera zu hantieren. Leider verdunkelten sich die Wolken noch mehr als erwünscht und produzierten eine herabgesetzte Stimmung. (Später musste ich noch feststellen, dass ich die Bilder versehentlich überbelichtet hatte.)

Und zum Abschluß, als wieder die Sonne hervorkam, lief ich noch den Berg hoch zu Sacre Cœur. Trotz der Kopfschmerzen ein voller Tag.

🔵 Donnerstag (16.4.), heute hätte eine weitere Folge des Fototreffens bei Denfert-Rocherau angestanden, mein Kopf, immer noch von Schmerzen geplagt, wollte nicht mitmachen. Ein wenig geknickt.

🔵 Freitag (17.4.), morgens wieder Conversation bei Goutte d’Or, das letzte Mal vor den Schulferien. Nächstes Wiedersehen erst in 4 Wochen. Wer hatte das nur erlaubt?
Die Vorstellungsrunde endete schon beim zweiten Teilnehmer, der, ungewöhnlich, aus Tibet stammte. Da ging es gleich neben der politischen Situation auch um Sprache und Schrift, wonach wir, ich weiß nicht wie, auf die längsten Wörter der jeweiligen Sprache kamen. Angeblich ist „anticonstitutionnellement“ das längste französische Wort. Mit seinen 25 Buchstaben kam es mir nicht so lang vor. Im Hinterkopf hatte ich noch die Erinnerung an ein altgriechisches Wort, das vor Jahren die Runde machte, weil es mit 171 Buchstaben nicht in das damaligen Zeichenlimit von Twitter passte.

🔵 Samstag (18.4.), wie immer bis Réaumur, aber aus unbekanntem Grund nicht zum Bäcker, sondern gleich in den Jardin du Palais Royal. Später Besuch bei Printemps, das leider nichts zu bieten hatte. Gibt es keine Frühjahrsmode? Einkauf bei mir im Viertel und später noch eine Runde bis Trudaine. Das schwedische Elchfernsehen, das eigentlich erst Dienstag starten sollte, fing schon heute an, weil sich die Elche entschlossen hatte, ihre Frühjahrswanderung früher zu beginnen. Ob es für mich auch dieses Jahr mit Schweden funktionieren wird?

🔵 Sonntag (19.4.), mit der Linie H vom Gare du Nord in knapp 30 Minuten nach Pontoise, im Nordwesten von Paris, wo mich schon ein Hauch von Provinz empfing.

  

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