Aufzeichnungen aus meiner 13. Woche in Paris. Mit einem Abstecher nach Frankfurt.
🔵 Montag (27.4.), am Abend unternahm ich den Versuch ein anderes Atelier de Conversation auszuprobieren. Das Joli Mai in Saint-Ouen. Vielleicht bin ich durch diesen Ort überhaupt auf die Idee gekommen, dass es ein solches Angebot überhaupt geben könnte. Diesmal machte mir jemand die Tür auf. Neben mir erschien noch ein Ukrainer mit ganz wenig Französischkenntnissen. So waren wir zwei und zwei Trainer. Jeder bekam einen. Das war sehr intensiv und anstrengend, da ich die ganze Zeit reden musste. Mitgenommen habe ich das Wort enchevêtrement, das mir neu war. Später entdeckte ich, dass es im Kern chevêtre enthält (Zügel, Bügel, Balken).
🔵 Dienstag (28.4.), morgens gleich Koffer gepackt, dann zur Sprachgruppe bei Robert Sabatier, die mit 15 Teilnehmern wieder sehr groß ausfiel. Wenn dann die muttersprachlichen Begleiter nicht strukturieren, bleibt der Austausch unbefriedigend. Anschließend fand sich noch eine halbe Stunde für einen Kaffee mit Sayaka, bevor ich den Weg zum Bahnhof antreten musste. Vor einem Jahr fuhr ich in die entgegengesetzte Richtung zu meinem ersten längeren Aufenthalt in Paris. Die Zukunft vor mir liegend. Jetzt habe ich ein wenig das Gefühl, meine Zeit liefe ab. Der Zug war leider unruhig und laut. Ich saß direkt hinter dem Speisewagen. Immerhin kamen wir trotz Grenzkontrollen mit nur 15min Verspätung in Frankfurt an.
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🔵 Mittwoch (29.4.), zuerst dachte ich, alles wäre normal, doch über den Tag produzierte ich aus Orientierungslosigkeit heraus eine ganze Reihe von Fehlleistungen, die damit begannen, dass ich nach Bergen-Enkheim fuhr, statt auf die Berger Straße. Immerhin konnte ich das korrigieren und meinen Einkauf vervollständigen. Danach blieb ich auf einen Kaffee am Uni Campus, unter vielen vielen Studenten. Das Semester musste begonnen haben. Weiter unter Verwirrung nach Bockenheim zu Radio X, damit Harald seinen Whisky bekam, eine kleine Aufmerksamkeit dafür, dass er sich um meine Ausfallsendungen kümmert. Leider ist ja zur Zeit kein Live-Betrieb möglich.
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🔵 Donnerstag (30.4.), Einkauf auf der Zeil, Bank, Aldi. Dann zuhaus, 1000 Kleinigkeiten, die noch erledigt werden wollen, bevor ich wieder nach Paris fahre. Daneben noch Wohnung aufräumen und Wäsche waschen und alte Fotos von 1986 suchen. Obwohl ich damals erstmals eine Kamera gekauft hatte, eine gebrauchte 6×6, sind wenig Bilder erhalten geblieben. Ich glaube, zu Anfang ließ ich auch in dem Laden entwickeln, in dem ich auch die Kamera gekauft hatte. Nahe dem Bahnhof Sternschanze. Vielleicht war es mir zu teuer. Man muss sich vorstellen, damals war Fotografieren auf Film vollkommen normal. Es gab kein digital. Abends unternahm ich noch einen kleinen Abstecher in den Grüneburgpark. In der Abendsonne.
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🔵 Freitag (1.5.), schon Mai. Drei Monate Paris liegen hinter mir. Mittags auf einen Kaffee mit der Nachbarin im Holzhausenpark. Der Kaffeewürfel hatte wieder offen. Dann Wohnung fertig machen und zum Bahnhof. TGV, gut gefüllt, pünktlich ab Frankfurt. Ich konnte dennoch den Platz wechseln und die ganze Zeit in Fahrtrichtung schauen, wie es mir am Liebsten ist. Zur gegebenen Zeit kamen wir in Paris an. Mit dem Bus 31 war ich schnell wieder in meiner Wohnung.
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🔵 Samstag (2.5.), mit der M 4, die sich nach 2 Wochen Sperrung wieder beeilte, zu fahren, bis Réaumur. Dort Figaro-Weekend, dann zum Bäcker, der gerade noch einen Platz für mich hatte. Das Figaro Magazin brachte Marilyn Monroe auf dem Cover. Ich hatte nicht im Blick, dass in einem Monat ihr 100. Geburtstag anstehen würde. Von da zu Printemps, wo ich in der kleinen Spirituosenabteilung im 7. Stock eine nette Flasche Wein erwarb und daneben noch bemerkte, dass die kleine Kaffeeecke jetzt auch nach draußen auf die Terrasse ging, wo sich ein ebenso schöner Blick ergab, wie nebenan bei Lafayette. Nur nicht so überlaufen. Muss ich mir für das nächste Mal vormerken. (Es gibt allerdings kein Dach, weder gegen Sonne noch Regen.)
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🔵 Sonntag (3.5.), angesichts der Wetteraussichten konnte ich mich einer Reise nach Cergy Le Haut, Endstation der Linie RER A nicht erwehren. Kaum angekommen, goß es aus allen Wolken. Immerhin bemerkte ich dadurch Proust, der auf der Fassade des Bahnhofs mit einem Zitat aus seinem Roman verewigt wurde. Le Haut ist die letzte der drei Stationen, die architekturgeschichtlich drei Perioden verkörpern. Cergy Prefecture, die 70er Jahre, Cergy Christophe die 80er Jahre und schließlich in Le Haut die 90er Jahre. Diese betont schmucklos, funktional, ähnlich dem Frankfurter Westhafen oder der Hamburger Hafencity. Visionen gab es gestern.
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Am Abend rief ich dann bei Björn an, um zu erfahren, ob es auch diesen Sommer mit Schweden klappen könnte. Jedesmal mit bangem Herzen, in der Furcht, es könnte das letzte Mal gewesen sein. Aber ich hatte Glück. Björn sagte mir zu. Jetzt musste ich nur noch überlegen, wie ich die Reise organisierte, den spätestens seit vergangenem Jahr wollte mit die Fahrt mit der Fähre nicht mehr gefallen. Wobei es nicht die Fähre an sich war, sondern die umständlich Anbindung des Fährhafens (in Travemünde wie in Malmö) an den weiteren Reiseweg.
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