Ausflug nach Sceaux

Fontäne im Park von Schloß Sceaux. Südlich von Paris.

Fontäne im Park von Schloß Sceaux. Südlich von Paris.

Meine 19. Woche in Paris, aus der ich berichte.

🔵 Montag (8.6.), morgens grau. Ich fuhr zur erneuten Erkundung nach Val de Fontenay. Diesmal hatte ich Glück und konnte mir einen guten Überblick über diese Siedlung verschaffen, die aus mehreren, sehr unterschiedlichen Anlagen und Bautypen bestand. Mir gelangten auch einige gute Fotos. Zuhause versuchte ich mich in einer weiteren nervigen Runde in Sachen Schließfach. Es gab nur wenige Anbieter, die eine Buchung online ermöglichten. Die meisten wollten über Formulare, Daten von mir abgreifen, wozu ich mit Alias-Emailadressen arbeitete. Eine mühselige und frustrierende Angelegenheit. Der exakte Preis eines solchen Schließfachs muss aus unerfindlichen Gründen ein Geheimnis sein, dabei ist dieses ganze System der Storageboxen extrem durchorganisiert. Schwer vorstellbar, dass es da persönliche Preise gibt. Am Abend (überraschend Regen) ging ich wieder ins Maison de la Conversation. Als ich eine Gruppe junger Leute bemerkte, hatte ich zunächst böse Ahnungen, doch sie entpuppten sich als sehr nett und konversativ. (Studenten von der Sciences Po). Diesmal hatten wir mehr Trainer als Teilnehmer, wodurch jeder gleich mehrere Muttersprachler zur Verfügung hatte. Ich unterhielt mich sehr nett mit einer Frau, die nach meiner biografischen Vorstellung wissen wollte, was ich einmal als Künstler getan hätte. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass Kunst auch etwas anderes als Malerei oder Skulptur sein könnte.

🔵 Dienstag (9.6.), wieder Sprachcafé bei Robert Sabatier. Pierre, kurz vor der Pension stehend, wird immer besser. Nachdem jeder kurz von seinem Wochenende berichten durften, während wir schwedische Lakritz kauten, die uns Victoria zu ihrem letzten Mal mitgebracht hatte, spielten wir das Spiel Qu’avez-vous fait ? Jeder zog eine Karte mit 4 Fragen, die wir dann an unser Gegenüber richten konnten:

Êtes-vous allé à New York ? Avez-vous monté un chameau ? Avez-vous été piqué par une guêpe ? Et vous êtes-vous déjà endormi au cinéma ou avez-vous manqué un vol ?

Danach zum Bäcker in der Rue Versigny, Einkauf bei Monoprix und zurück zu mir, wo ich die Aufzeichnung meiner Ausfallsendung für Radio X um eine Stunde auf 15:00 vorzog. Dazu musste ich die Uhrzeit an meinem Laptop manipulieren, damit ich mir auf dem Schirm eine große Uhr mit der entsprechenden Zeit anzeigen lassen konnte. Frühabends unternahm ich noch einen Spaziergang nach Montmartre. In der Buchhandlung der Halle St.Pierre entdeckte ich von Raymond Queneau „Connaissez-vous Paris?“. Das schmale Bändchen mit 458 kniffligen Fragen sollte mir gehören.

🔵 Mittwoch (10.6.), nach Bobigny. Das erste Mal während meines diesjährigen Aufenthalts. Licht allerdings ungünstig. Zuviel Sonnenschein. Da war nichts mit Fotografie. Ich fuhr anschließend mit der M 7 direkt ins Marais. Dort Sockenkauf. Anschließend einen Kaffee nahe République. Und Einkauf bei Monoprix und Gifi. Mein Tracker am Schlüssel hatte den Geist aufgegeben. Statt online, erwarb ich das gleiche Teil wieder bei Gifi. Fleissig. Zuhause angelangt, setzte ich einen Schlussstrich unter den Versuch, ein günstigeres Schließfach zu finden. Ich gebe nicht gern auf, aber musste ich mich geschlagen geben. Vielleicht kann ich es ein anderes Mal versuchen. Online auch von Frankfurt aus.

Auf FB las ich, dass das Straßenfest in der Rue Versigny dieses Jahr nicht stattfinden wird. Sehr schade. Ich hatte mich schon darauf gefreut.

🔵 Donnerstag (11.6.), schön grau heute. Zuerst ein Bummel in der Rue du Bac, auch zu Bon Marché. Zwischenstop für einen Kaffee beim Bäcker in der Rue du Faubourg Saint-Denis. Bei OpenStreetMap heisst er Le Pain à la Broche. Dann gestärkt nach Bobigny, wo ich bessere Lichtbedingungen antraf als gestern. Diesmal konnte ich gute Fotos von der Anlage Cité Paul Éluard einfangen. Dadurch, dass sie die Autos unter den Platz verbannt hatten, erhielt ich hier günstige Blickwinkel auf die Hochhäuser. Auf dem Rückweg stieg ich bei Laumière aus und kaufte beim Carrefour in der Av. Jaurès ein.

🔵 Freitag (12.6.), heute bei Goutte d’Or sehr große Gruppe, 20 Teilnehmer. Das hatten wir noch nie. Und dann auch noch freie Rede zum Thema Gewalt gegen Kinder. Ich konnte immerhin zur letzten halben Stunde hin, den Blick auf den Umgang mit solcher Teilnehmerzahl lenken. Wir bräuchten dann mehr Struktur, etwa in Form von Aufgaben oder Spielen, die alle mit einbezögen. Alternativ die Aufteilung in zwei Gruppen, was ich aber wegen des dabei entstehenden Lärms für problematisch halte. Schon erfahren im Maison de la Conversation. Nach Einkauf beim Aldi fuhr ich nach Val d’Argenteuil, die Bewölkung ausnutzend. Doch als ich da ankam, gelang mir gerade noch ein Foto, dann kam die Sonne heraus und ich konnte einpacken. Schlug mich so bis zur Markthalle Saint-Martin bei Chateau d’Eau durch, wo ich meinen Kaffee nahm. Zwischenzeitlich hatte die Lichtstimmung wieder ins Diffuse gedreht, wodurch die Rue du Château d’Eau in all ihrem Charme hervorstach. Ich konnte mich gar nicht mehr lösen, fand aber nach dem Kaffee keinen weiteren Anknüpfungspunkt. Alkohol traute ich mich bei den Temperaturen nicht. Also, dann doch nach Hause. Im Quartier Goutte d’Or waren heute und am Wochenende auch offene Ateliers, ich brauchte aber nur bei einem schräg reinzuschauen, um zu sehen, dass das für mich nichts ergeben würde.

🔵 Samstag (13.6.), heute bimmelte das Rathaus bei Jules Joffrin nicht. Dafür die gegenüberliegende Kirche. Mit der M 12 und Umstieg bei Opéra nach Bourse und zum Bäcker. Schon nahe zu warm dort. Im Jardin du Palais Royal aber alles voll. Kein Sitzplatz mehr. Mit der M 1 bis Concorde, da M 12 und zurück zu mir. Einkauf beim Monoprix. Meine Idee, in der nächsten Woche über meinen Geburtstag ein paar Tage an der See zu verbringen, löste sich trefflichst ein, in dem ich eine schnuckelig aussehende Unterkunft in Trouville buchen konnte. Angeblich direkt am Strand. Super. Zum späteren Nachmittag holte ich Wasser am Brunnen. Dann, weil noch so aufgedreht über die Aussicht auf meine kommende Reise, streifte ich noch durchs Viertel, die Treppen rauf zu Montmartre. Dabei blieb ich mit meiner Barbour-Jacke an einer Absperrung hängen. Der Stoff riss an der Seite ein. Grosses Malheur! Ganz grosses Malheur!! Dieses Kleidungsstück ist extrem wichtig für mich, weil ich da alles an genau bestimmten Orten unterbringen kann. Wenn ich nicht weiss, wo Métrokarte oder Schlüssel sind, werde ich unsicher und produziere Fehler. Hoffentlich bekomme ich die Jacke noch rechtzeitig zum Schneider und er kann sie reparieren.

🔵 Sonntag (14.6.), nach dem Frühstück zum Markt auf dem Blvd. Ornano. Manu hatte mir gestern vorgeschlagen, nach Aufbügelstoff zu suchen, falls der Schneider mir mit der Jacke nicht helfen könnte. Auf Französisch hiess das Thermocollant. Leider gab der Markt dazu nichts her. Ich blieb noch auf einen Kaffee beim Bäcker in der Rue Versigny. Dann überlegte ich, was ich mit dem Tag bei ansteigender Hitze tun könnte. Bloss nicht zu weit mit der Bahn fahren. So fiel mir Sceaux ein. Vielleicht 40min von mir und mit schattigem Grün lockend. Diesmal fuhr ich bis Sceaux (statt Parc de Sceaux), von wo ich in wenigen Schritten schon am Park des Schlosses Sceaux ankam. Nicht weit vom Eingang fand ich ein Rondell, in dessen Mitte eine Fontäne spritzte. Im Schatten blieb ich lauschend auf einer Bank sitzen. Von Ferne drangen Klänge des Sceaux Jazz Festivals zu mir. So war es sehr angenehm. Später entdeckte ich das Petit Château Sceaux, ein entzückendes Schlösschen, das sich um 1660 ein Notar errichten ließ. In seinem Inneren besuchte ich ein kleines Museum zur Geschichte des ganzen Anwesens. Einer der Eigentümer neigte zur Astronomie, für die er sich von Uhrmachern wunderschöne mechanische Himmelsscheiben anfertigen ließ, an denen der Weg der Gestirne abzulesen war. Und dann bemerkte ich endlich auch den Ort Sceaux selbst, eine bestens genährte Vorstadt, in jeder Hinsicht das Gegenteil der von mir neulich besuchten Banlieus im Norden von Paris. Die Fussgängerzone bestückt mit Eisdiele (2x), Weinhandlung (2-3), Patisserie (mehrere) und Delikatessenläden. Da blieb kein Wunsch offen. Entsprechendes Einkommen vorausgesetzt.

  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert