Letzter Hitzesonntag in Paris

Party auf der Straße (Rue Ramay) zur Fête de la Musique, Paris.

Party auf der Straße (Rue Ramay) zur Fête de la Musique, Paris.

Bericht aus meiner 20. Woche in Paris, die von steigenden Temperaturen, zur zweiten großen Hitzewelle, gekennzeichnet war, der ich in der Mitte der Woche durch einen Ausflug ans Meer zu entgehen suchte.

🔵 Montag (15.6.), morgens gleich, voller Ungeduld, den Schneider im 2. Anlauf angetroffen. Er versicherte mir, meine Barbour Jacke flicken zu können. Erleichtert fuhr ich mit dem Rad nach Pont Cardinet zum Einkauf beim Carefour. Zwischenzeitlich war Bewölkung aufgezogen, die den angrenzenden Park von Batignolles in weiches Licht tauchte. Ich konnte mich gar mich mehr lösen. Danach musste ich zum Schließfach. Meine Zeit in Paris geht langsam zu Ende. Ich fange an, Dinge, die ich nicht mehr direkt brauche, wegzubringen. Anschließend wollte ich einen Kaffee beim Bäcker in Trudaine nehmen, doch sie hatten keinen Kaffee. Unschlüssig wartete ich in den gegenüberliegenden Grünanlage, bis ich auf die Idee kam, ein Eis zu kaufen. Neben der Bäckerei bei dem kleinen Kiosk. Die Kühltruhe war mit einem Schloss versehen. Krass, dass sie dem Inder das Eis klauen. Telefonat mit dem Cousin, dessen juristische Dinge momentan in der Schwebe bleiben. Unangenehm für ihn. Am Abend dann Sprachcafé bei Joli Mai in Saint-Ouen. Kleine Gruppe, bei den Themen heute etwas zerfahren. Auf jeden Fall Fußball. Coupe du monde. Mein letztes Mal. Schade, das war eine nette Runde.

🔵 Dienstag (16.6.), Vormittag Sprachcafé bei Robert Sabatier. Endlich wieder mit Wanda. Da spielte es keine Rolle, dass sie auch das Spiel Qu’avez-vous fait ? brachte. Es kommt darauf an, auf Situationen zu reagieren und das entsprechende Vokabular zu produzieren. Ich merkte deutlich meine Lücken. Anschließend Kaffee mit Sayaka. Einkauf beim Monoprix und weitere Sachen zum Schließfach gebracht. Die Temperaturen waren deutlich angestiegen. Jetzt machte es schon etwas aus, ob der Bus klimatisiert war oder nicht oder ob überhaupt ein Bus kam. Ich lief nämlich deswegen von Cadet bis rauf nach Trudaine zum Bäcker. Die Terrasse war schon eher gefüllt, so dass ich nur an einer Seite einen Platz bekam, wo die heiße Abluft blies. So eine Stelle gibt es bei fast allen Bäckereien. Dann immer im Schatten der Häuser zu mir zurück. Beim Schneider meine Jacke geholt, perfekt repariert. Super. Nach dem Essen bei der #Kunsttalk Gruppe reingeschaut, die derzeit jeden Dienstag stattfinden soll. Da nehme ich meinen Beitrag etwas lockerer. Koffer packen für morgen, stand an.

Trouville Strand, 17.6. 2026

Trouville Strand, 17.6. 2026

🔵 Mittwoch (17.6.), letzte Vorbereitungen, Proviant holen, schauen, dass alle Lebensmittel gut verstaut sind. Dann mit der M 12 zu Saint-Lazare. Sicherer als ein Bus. Zug ab 12:29 nach Trouville, wo ich pünktlich um 14:45 ankam. Zu Fuß war ich sehr schnell bei meiner Unterkunft, einem seltsamen Gebäude, ehemals ein Hotel, ein Heim, eine Schule? Mein kleines Apartment gab sich aber überaus freundlich und einnehmend. Vom Fenster in der Küche konnte ich schräg links Strand und Meer sehen. Auf der anderen Seite, in einem ähnlichen Haus hatte mal Marcel Proust gewohnt. Ein Tafel wies darauf hin.

🔵 Donnerstag (18.6.), mein Geburtstag. Gut geschlafen, die Wohnung war ruhig. Frühstück am offenen Fenster mit Blick auf den Strand, wo das Meer aus der Ebbe heraus wieder anrollte. Erste Anrufe mit Glückwünschen. Dann Bummel am Strand in den Ort. Anders als gestern blieb es zunächst diesig-grau, was der Fotografie gefiel. Ich nahm an einem Imbiss einen Kaffee. Möwen belagerten mich um mein Croissant. Hinter meinem Haus ging eine schmale Straße den Berg hinauf, die von imposanten Villen besetzt war. Die meisten waren verschlossen, wie auch im Ort wenig los war. Die Saison hatte noch nicht begonnen. Trotz der Hitze. Oben angelangt fand ich einen netten Ausblick über die Bucht. Arromanches, wo 1944 die Amerikaner gelandet waren, von hier aus 51km. Honfleur dagegen nur 12km, aber ich lief keinen Kilometer über die Landstraße, um die Vergeblichkeit selbst eines kleinen Marsches einzusehen. Ohne Seitenstreifen sah ich mich im Nu aggressivem Autoverkehr ausgesetzt. Umkehr also, bergab, an den Strand und endlich ins Wasser.

Blick über Trouville, 18.6. 2026

Blick über Trouville, 18.6. 2026

🔵 Freitag (19.6.), den ganzen Tag mit leichter Langeweile in Trouville verbracht. Es gab kaum Zerstreuung. Trotzdem hatte ich versucht, eine Verlängerung meiner Unterkunft zu bekommen, denn entgegen der ersten Vorhersagen vom Anfang der Woche sollte sich die Hitzeperiode in Paris noch weiter ausdehnen. Warum also nicht an der kühlen See bleiben? Lieber Langeweile als Backofen. Unglücklicherweise war mein Chalet aber ausgebucht. Da hatte ich wohl gerade noch die letzten drei freien Tage erwischt.

🔵 Samstag (20.6.), letzter Morgen im schönen Trouville mit Blick aus dem Fenster auf das sachte anrollende Meer. Dann Wohnung fertig machen, 11 Uhr los. Noch ein Kaffee am Strand, dann zum Bahnhof, gegen den Strom der zum Wochenende anrückenden Autokolonne. Zug pünktlich ab 12:23. Alles sah nach einer ereignislosen Fahr aus, bis der Zug kurz hinter Évreux zum Stehen kam. Erst nichts, dann zögerliche Ansagen, die etwas von „alimentation electric“ meldeten, also der Stromversorgung. Wir standen gut 90 Minuten auf offener Strecke, in immer größerer Hitze, denn die Klimaanlage war ausgefallen, bis uns ein weiterer Zug aufnahm. Der Umstieg erfolgte erstaunlich reibungslos. Wieder gut gekühlt setzten wir die Fahrt nach Paris fort, wo wir kurz vor 18:00 in Saint-Lazare ankamen, drei Stunden später als geplant. Der Bahnhof ein ordentlicher Backofen, der einen Vorgeschmack auf die Temperaturen in Paris gab. Meine Wohnung im 5. Stock ebenfalls voller drückender Hitze. Ich schrieb zuerst eine Mail an meiner Vermieterin, ich bräuchte dringend ein Kühlgerät. Das ohne große Hoffnung, eher in der Absicht, ein Zeichen zu setzen. Denn mir war klar, dass bei den Temperaturen nur eine ausgewachsene Klimaanlage aushelfen würde.

🔵 Sonntag (21.6.), in der Nacht noch einigermaßen gut geschlafen. Ich hatte den Ventilator trotz des Geräuschs die ganze Nacht über mein Bett streichen lassen. Nach dem Frühstück mit einigen Sachen zum Schließfach, dessen Lage einen Blick auf den Canal Saint-Martin erlaubte. Am Mittwoch war ein Abschnitt des Kanals, das Bassin des Récollets, zum Schwimmen freigegeben worden. Ich sah nur wenige Menschen im Wasser. Das würde sich sicher zum Nachmittag ändern. Ich hatte schon entsprechende Bilder im Netz gesehen. Das Wasser hingegen sah wenig vertrauenswürdig aus. Wie schon im letzten Jahr hielt sich meine Neigung, da hineinzuspringen in Grenzen. Den weiteren Nachmittag verbrachte ich in meiner überhitzten Wohnung, unter der Erkenntnis, dass es draußen noch heißer wäre. (Damit wäre auch in etwa für mich die Grenzen der Klimatisierung abgesteckt. Eine funktionierende Klimaanlage in der eigenen Wohnung, gut und schön. Aber die würde auch nicht helfen, wenn es darum ginge das Haus zu verlassen. Mir graute schon bei dem Gedanken, die Tage bis zur Abreise in der übernächsten Woche eingesperrt in der Wohnung zu verbringen.) Gegen 15:00 traute ich mich dann doch vor die Tür. Mit einem Kaffee versehen, setzte ich mich in den Square Léon-Serpollet, wo der Brunnen freundlich rauschte. Kühler als in meiner Wohnung war es allerdings nicht. Eigentlich sollte heute, zur Fête de la Musique , meine Lieblingsband Tin Express spielen. Allerdings erst um 22:00 in Montreuil. Nach Abwägung aller Umstände sah ich aber von einem Besuch des Konzertes ab, da mir die Anreise in der Hitze zu viel war. Die Band würde auch nicht auf der Straße, sondern in einem Gartenlokal auftreten, wo ich Gedränge befürchtete. Schade. Um dennoch in den Genuss von etwas Musik zu kommen sah ich mich daher direkt vor meiner Haustüre um. In der Rue Ramay waren auf meiner Höhe schon mindestens 2 DJ-Sets tätig, die eine Höllenlautstärke produzierten. Einem Abstand von etwa 30m war es dann in Ordnung, genau zwischen beiden, so dass sich die Klänge mischten. Beide lieferten basslastiges House ab. Sachte wippend gönnte ich mir dann noch ein Eis, bevor ich wieder in meine Dachstube stieg. (Der Aufzug war nach wie vor kaputt.)

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