Mit dem Fahrrad nordwärts Richtung Saint-Denis

Am Kanal Saint-Denis auf Höhe des Stade de France. Sommerstimmung.

Am Kanal Saint-Denis auf Höhe des Stade de France.

Berichte aus meiner 18. Woche in Paris, die mit kühleren Temperaturen aufwartete.

🔵 Montag (1.6.), Juhuni! Morgens mit dem Rand nach Pont Cardinet. Im Carrefour dort eingekauft. Dann mit der Métro 13 bis zur Endstation Saint-Denis Université. Ganz neues Viertel da. Im Hintergrund aufragend wie ein gewaltiges Gebirge die Außenstelle des französischen Nationalarchivs. Ich nahm nach ersten Erkundungen den Bus 255 für ein paar Stationen bis Paul Vaillant-Couturier. Mein Ziel, die ab 1920 errichtete Gartenstadt Stains. Leider schien die Sonne prall, so dass die Fotografie nur Notizen aufnehmen konnte. Die Struktur der Siedlung war aber deutlich zu erkennen. Auf dem zentralen Platz nahm ich einen Kaffee. Dann mit dem Bus 150 zurück, der praktischerweise bis Mairie de Aubervilliers fuhr, wo ich mit der M 12 weiterfahren konnte. Abends wieder Sprachcafé bei Joli Mai. Erneut tauchte ein Mädchen auf, das kein Französisch konnte. Wie ist das möglich? Sie wurde mit dem Ukrainer dann von Amel versorgt, während die Dame aus dem Kosovo (Else?) und ich bei Olivier blieben. Wir sprachen aus meiner Erfahrung heraus über Erbangelegenheiten, ein schwieriges Thema auf Französisch. Else berichtete von ihren Brüdern, die im Kosovo ein Haus geerbt hatten und es nicht aufteilen konnten. Ich verstand es überhaupt nicht und musste eine Zeichnung anfertigen.

🔵 Dienstag (2.6.), ganz unfreundlich kühl heute. Bei Robert Sabatier wieder eine große Gruppe, aber Pierre, der Anfangs eher zurückhaltend schien, kam mit einfachen Fragen, die jedem Gelegenheit gaben, sich sprachlich auszudrücken. (Spiel, etwas unwahres von sich zu behaupten?) Danach kurz auf einen Kaffee mit Sayaka, der durch einen Regenguss jäh unterbrochen wurde. Ich saß dann zuhause und versuchte, ein neues Schließfach zu buchen, nachdem das alte mich durch Preiserhöhung frustriert hatte. Tatsächlich gelang es mir bei einem anderen Anbieter. Die KI hatte mir dabei geholfen. Etwas weiter weg, bei Riquet, aber mit dem alten Space durch die Linie 7 verbunden. Danach zum schwedischen Möbelhaus, wo ich noch einen Bettbezug erwarb. Kräftige Regenschauer. Kurz gegenüber zu Samaritaine. Die Herrenabteilung aber, ich wusste es schon, langweilig. Kaffeepause beim Bäcker bei Trudaine. Da kam mit einem Schlag die Sonne raus. Blauer Himmel! Abends wieder #Kunsttalk. Wir kamen auf die Unterscheidung Links-Rechts und die Frage, ob es auch Omas gegen links geben könnte? Das regte mich zu weiteren Unterscheidungen an. Omas gegen grün oder Omas gegen Kunst.

Omas gegen Kunst, 3.6. 2026

Omas gegen Kunst, 3.6. 2026

🔵 Mittwoch (3.6.), graubewölkt. Ich nutzte die Stimmung gleich zu einem erneuten Ausflug nach Stains aus. Diesmal lief ich zu Fuß von Saint-Denis Université nach Stains, dabei das ganze Niemandsland zwischen den beiden Orten erkundend. Manche Ecken waren von Unkraut und Disteln durchsetzt, so daß ich mir arg Arme und Beine zerkratzte. In Stains konnte ich durch das günstige Licht weitere Gebäude dokumentieren. Kaffeepause auf dem Marktplatz. Dann machte ich mich auf zur nächsten Etappe, der Hochhaussiedlung Cité Floréal, wo es entgegen des Namens wenig blumig zuging. Über 10 teils 15-stöckige Wohnblöcke, dazwischen Riegel mit 4 Stockwerken. Die Wirkung drückende Monotonie. Verkehrsanbindung nur durch Bus nach Saint-Denis oder Aubervilliers. Einziger Punkt, auf der anderen Seite der Ausfallstraße Avenue Roger Salengro erstreckte sich schon das riesige Grüngebiet Parc Georges Valbon. Am Abend bin ich nochmal zum Brunnen gefahren, wo ich eine bizarre Begegnung mit einer Dame hatte, die eigentlich nur um Hilfe bei ihrem iPhone suchte. Ganz schräge Geschichte.

🔵 Donnerstag (4.6.), nach Rue des Rennes. Im Elektronikmarkt nach Speicherkarten gesucht. Zum Glück wurde ich da gleich fündig. Dann um die Ecke, bei Rue Vavin in den Modeladen wegen T-Shirt. Leider hatten sie das Teil nicht, das ich im Internet gesehen hatte. Was tun? Jetzt hätte ich da beim Bäcker einkehren können, es war mir jedoch zu früh. So fuhr ich quer durch die Stadt zu Printemps, wo ich das T-Shirt nach langem Suchen zwar entdeckte, nicht aber in meiner Größe. Kaffee dann beim Bäcker in der Rue du Faubourg Saint-Denis. Zuhause Fotos von meiner gestrigen Tour nach Stains bearbeitet. Am Abend fuhr ich nach Riquet, um mir diesen Storage-Space anzuschauen. Dabei stellte ich fest, dass das Gelände zwar von einem Zaun umgeben war, die Zufahrt aber fast jedem offen stand, da es sich um eine Wohnanlage handelte. Der eigentlich Space, der neben der Einfahrt zur Tiefgarage lag, war frei zugänglich, ein Rolltor aufgeklappt. Ich konnte einfach, ohne jede Kontrolle, zu meiner Kiste gelangen und sie mit dem Smartphone öffnen. Ich bekam davon ein mulmiges Gefühl.

🔵 Freitag (5.6.), heute morgen in der Sprachgruppe bei Goutte d’Or eine schwierige Aufgabe, wir sollten französische Akzente von Sprechern außerhalb Frankreichs erkennen. Da blieb es doch beim Eindruck. Vielleicht hatte ich noch den schweizer Akzent erkannt, weil der diese typisch schweizerische Langsamkeit enthielt. Bei den anderen konnte ich nur raten. Danach stand ich noch ich noch mit dem indischen Studenten vor der Tür. Er schlug mir vor, doch eine größere Wohnung in Paris zu kaufen und Zimmer an Studenten zu vermieten. Er könnte mit genügend Kommilitonen beibringen. Eine nette Idee, aber wirtschaftlich nicht sinnvoll. Ich später ins Marais in ein anderes Modegeschäft, das auf die gesuchte Marke spezialisiert war, aber auch da fand sich mein T-Shirt nicht. Ebenfalls keinen Erfolg hatte ich bei La Fayette, meine letzte Hoffnung, die nur den schon bestehenden Eindruck bekräftigte, dass der Laden nichts taugte. Wenn, dann Printemps. Einkauf bei mir im Viertel und gegen 17:00 Tennis. French Open. Der deutsche Spieler Zverev brauchte gerade noch 20min, um seinen Gegner abzufertigen, was mir sehr recht war. Ich wollte nur schnell reinschauen. Abends nochmal Fototour mit dem Rad in Richtung Riquet. Bei dem Storage-Space stand wieder die Tür offen. Das machte keinen guten Eindruck.

🔵 Samstag (6.6.), überraschend kühl und regnerisch. Ich musste sogar die dickere Jacke anziehen. Am Rathaus bei Jules Joffrin froren die Hochzeitsgesellschaften. Um 12:00 bimmelte eine Glocke. Das Rathaus besaß eine Uhr im Giebel. Ich fuhr weiter mit der M 12 in die Stadt. Regenschauern begleiteten mich zu meinem gewohnten Kaffee am Place des Petits Pères. Als ich mit dem Bus rüber nach St.Germain fuhr, hatte ich den Eindruck, es wäre Winter. Am späteren Nachmittag schlug das Wetter dann in eine freundlichere Richtung um. Ich erkundete mit dem Fahrrad, die Gegend rund um Porte de la Chapelle, die als gefährlich galt. Außer, dass ich der einzige war, der sich da bewegte, kam es mir da aber nicht bedrohlich vor. Vielleicht änderte sich das nach Einbruch der Dunkelheit. Ich konnte jedenfalls noch einige gute Motive einfangen.

🔵 Sonntag (7.6.), ein Mix aus Sonne und Wolken, nicht zu warm, der mich in meinem Versuch ermutigte, mit dem Fahrrad bis Stains zu kommen. Immer am Kanal Saint-Denis entlang. Unterwegs entdeckte ich wieder ansprechende Motive, die meinen Weg unterbrachen, so daß ich doch gegen 14:00 einsehen musste, dass ich es nicht bis Stains schaffen würde, wenn ich rechtzeitig zum Tennis um 15:00 zurück sein wollte. Dabei bemerkte ich im Grenzgebiet zu La Courneuve weitere interessante Ecken. Der sich weiter ausbreitende Sonnenschein verhinderte allerdings die Fotografie. Ich durchquerte auch noch die Cité Floréal, bevor ich in Richtung Aubervilliers strebend den Heimweg antrat. Da war ich gut in der Zeit und erfreute mich daher für eine Pause beim Bäcker in der Rue Versigny an einem Kaffee. Also dann Endspiel Roland Garros, Alexander Zverev gegen Flavio Cobolli. Der erste Satz ging sehr schnell und günstig für Zeverev aus (6:1), danach stockte das Spiel zugunsten von Cobolli. Schließlich brauchte Zverev, der ewige Verlierer, 5 Sätze, um Cobolli niederzukämpfen, die ich mir aber in ihrer Gänze nicht antat. Lieber noch zum Brunnen, Wasser geholt.

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