Vorzeitige Rückkehr nach Frankfurt mit Rückblick auf meine letzten beiden Tage in Paris.
🔵 Montag (22.6.), nach einer weiteren Nacht in tropischer Hitze musste ich eine schwere Entscheidung über meinen weiteren Aufenthalt in Paris treffen, die nach Konsultation der Bahnverbindung so ausfiel: Abreise so schnell als möglich. Morgen nachmittag. Es war unter den Umständen der voraussichtlich steigenden Temperaturen nicht anders möglich, auch wenn ich mit Kummer sah, dass ich mich dann Freitag nicht von der Sprachgruppe bei Goutte d’Or verabschieden könnte. Countdown lief. Gleich mit dem Rad einige Dinge zum Storage-Space bringen, dann das Fahrrad selbst bei seiner Station am Boulevard de Sébastopol abgeben, mit der M 4 zurück zu mir. Alles packen, so möglich. Im Kühlschrank lagerten noch viele Lebensmittel, die ich nicht mitnehmen konnte. Die werden an die Vermieterin übergehen. Um 16:00 mit dem Taxi Koffer und Bildschirm in den Storage-Space gefahren. Leider war das im Internet gebuchte Auto kein „richtiges“ Taxi, sondern eine Art Uuuuubaaa… und Klimaanlage hatte es auch nicht. Das wäre beinahe böse ausgegangen. Zum Glück war der Fahrweg weitgehend schattig und eher kurz. Abends wollte ich dann für ein letztes Mal zum Maison de la Conversation, unterwegs kam aber eine Nachricht, das Treffen fiele aus. Oooch. Traurig. Zuhause weiter packen.
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🔵 Dienstag (23.6.), letzte Nacht in drückender Hitze. Früh auf und alles fertig gemacht. Leider musste ich trotz des Defekts mit dem Aufzug mehrmals Abfälle wegbringen. Beinahe hätte ich meine Wohnungsschlüssel mit entsorgt. Riesenschreck. Dann zum Sprachcafé bei Robert Sabatier, heute erfreulicherweise wieder mit Wanda (und Pierre). Wir sollten zuerst eine Podcast-Episode zum Thema « Végétalisation » hören und dazu Fragen beantworten, dann begannen wir das Spiel, Tiere raten. Jeder bekam den Namen eines Tiers auf die Stirn geklebt und musste ihn durch Ja-Nein Fragen raten. Ich hatte besonders große Schwierigkeiten. Der indische Student (nicht der von Goutte d’Or) hatte mir « Panthère des neiges » (Schneeleopard) aufgeklebt. Die ganze Raterei dehnte die Zeit länger als gedacht, so dass mein kurzer Kaffee mit Sayaka beim Bäcker noch kürzer ausfiel. Lustig aber, direkt vor der Bäckerei stand eine Frau, die unpassend zur Jahreszeit Hustenbonbons feilbot, ausgerechnet die Sorte, die meine Schwester mir mal aus Südfrankreich mitgebracht hatte. Ein schönes Zeichen, als wollte Paris sich freundlich zeigen. Also, Abschied von Sayaka. Sie wird mir fehlen. Zurück zu meiner Wohnung. Mit zwei schweren Koffern die schmale Treppe herunter. Dann doch U-Bahn (weil Bus nicht kam), schon 14:30 am Gare de l’Est. Für ein Mineralwasser im gekühlten Buffet mit Blick auf den Bahnhofsvorplatz in gleißender Sonne. Zug Abfahrt pünktlich, nicht zu voll und angenehm temperiert. Das war also Paris …
Ankunft in Frankfurt ohne Zwischenfälle nur 15 Minuten über die Zeit durch Grenzkontrollen verursacht. (Den großen Ausfall der Bahn Stunden später hatte ich zum Glück verpasst und erfuhr erst am nächsten Morgen davon.) Mit dem Taxi rasendgeschwind zu mir und ausgepackt und zum Supermarkt und zum Koreaner, der mir ein leckeres Mahl bereitete.
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🔵 Mittwoch (24.6.), auch Frankfurt wurde schließlich von der Hitzewelle aus Frankreich überrollt, aber in der eigenen Wohnung ließ sie sich besser aushalten als in Paris. Bis zum Sonntag verließ ich das Haus nur zum Einkaufen. Das fiel mir nicht leicht. Mit was sich beschäftigen? Ich versuchte mich an den Kisten, die schon im Februar aus Berlin gekommen waren. Sie enthielten Bücher meines Vaters und persönliche Sachen wie Spielzeug, Briefe und Tagebücher. Mir war klar, dass ich nicht alles behalten konnte. Meine Wohnung war schon übervoll. Zuerst sortierte ich die Bücher und nahm mir die Bände von Stefan George vor. Auf Twitter fanden sie reges Interesse. Ein junger Mann wollte sogar aus München anreisen, um sie abzuholen. Ich riet ihm aber aufgrund der Hitze davon ab. Später entdeckte ich, dass ich nur gut ein Drittel der Bände zu George angeboten hatte. Es gab noch eine weitere Kiste mit etwa 40 Büchern. Die abzutransportieren, würde wortwörtlich schwer werden. Von Ernst Jünger fanden sich zwei ganze Kisten mit Büchern. In Paris nebenbei ging die Hitze durch die Decke. Allein am Dienstag wurden landesweit 108 Rekorde gebrochen. In Nantes und Bordeaux waren es über 42°. Franceinfo titelte schon am Montag: „Il n’a jamais fait aussi chaud en France en juin.“ Heute 58 départements Vigilance Rouge, morgen 72.
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🔵 Samstag (27.6.) war auch bei uns der Höhepunkt der Hitzewelle. Wir hatten 41° in Frankfurt. Mein kurzer Ausflug zum Konsti-Wochenmarkt gestaltete sich zur Qual. Ich war froh, wieder zu Hause zu sein. Zwar war ich in den eigenen vier Wänden vor direkter Sonneneinstrahlung weitgehend geschützt, die allgemeine Aufwärmung der Wohnung konnte ich aber nicht mehr verhindern, zumal eben über Nacht kaum Abkühlung eintrat. Ich maß 31° in der Wohnung. Im Internet las ich, dass man nicht mit nassen Tüchern oder Wassernebel arbeiten sollte, die Feuchtigkeit verschärfte nur die Hitzewirkung. Also beließ ich es bei einem Ventilator, während ich im Internet erneut die Testberichte zu Klimaanlagen las.
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