Interessantes Interview heute im DLF mit dem Soziologen Steffen Mau zur Besonderheit der AfD. Es wäre im weiteren auszuführen, inwieweit die Kunst auch eine „regelabweichende Partei“ ist.
Könnte das in Richtung einer Antwort weisen, warum viele Dinge in der Kunst, die eigentlich kratzen sollten, die beständigen Ungerechtigkeiten, überhaupt ihre Sonderrolle, die sie andauernd einfordert, normal erscheinen und toleriert werden? (Man bemerke dazu im Interview das Wort Immunisierung.)
Besonders die Begriffe, die im Interview die Abweichung charakterisieren, die Regelverstöße hinnehmbar erscheinen lassen, finden sich 1:1 auch in der Kunst: Regelabweichung und Systemkritik. Gerade die Regelabweichung ist quasi die „Kernkompetenz“ der Kunst. Auf sie wird beständig verwiesen, bis hin zur Grenze zur Paradoxie, die Boris Groys einmal erklären ließ: „In der Kunst ist die Abweichung von der Norm zur Norm erhoben.“
Ebenso ist seit dem 19. Jahrhundert Systemkritik ein Bestandteil der Bildenden Kunst (und auch der Literatur). Ich verweise dabei auf das Konzept des romantischen Antikapitalismus. (Löwy und Sayre, 2001) Hier wäre auch im weiteren Kontext auf „linke Utopien“ einzugehen. In etwa so: für die Revolution müssen Opfer gebracht werden. Wo gehobelt wird, fallen auch Späne. Die Kunst, seit dem 19. Jhdt., trägt ebenfalls revolutionär-utopische Züge. Man prüfe diesbezüglich auch „Die Ästhetik des Widerstands“.
.
Moderator Manfred Götzke:
Ich würde noch mal gerne auf den Begriff Glaubwürdigkeit zurückkommen.
Warum schadet der AfD mangelnde Glaubwürdigkeit, wenn wir allein nur diese Vetternwirtschaftsgeschichte in den letzten Monaten nehmen, offenbar gar nicht?
.
Soziologe Steffen Mau:
Ja, das ist interessant, dass, obwohl es ja diese ganzen Klüngeleien gibt und die Einstellung von Familienangehörigen und so weiter.
Die Partei scheint sich gegen eine solche Kritik immunisieren zu können. Und ja, wie könnte man das interpretieren?
Ich würde sagen, dadurch, dass sie sowieso eine regelabweichende Partei ist, gibt’s auch ’ne große Akzeptanz oder zumindest ’ne Bereitschaft, das irgendwie hinzunehmen für Abweichungen im politischen Verhalten oder auch von bestimmten politischen und auch möglicherweise moralischen Hygienestandards, die wir uns in der Politik gegeben haben.
Da gibt’s ’ne große Toleranz gegenüber auch fragwürdigen Mitteln im Interesse von bestimmten Zielen.
Und als Partei der Systemkritik ist die AfD offensichtlich in der Lage, viele Sachen zu machen, die anderen Parteien sehr erheblich schaden würden.
Und ja, das ist ein Stück weit verblüffend, aber die Anhänger und Wählerinnen und Wähler scheint das nicht so stark zu stören.
****
Die Politik regiert am Osten vorbei, 01. August 2026, 06:50 Uhr
Auch:

