Kunst mit Fragezeichen – Michelangelos David oder Flippers Album?

David. Bild Wikimedia, Korido, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

David. Bild Wikimedia, Korido, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Dokumentation eines Threads auf Twitter und Substack, der mit einem Eintrag meinerseits begann:

Wenn ich von #Kunst spreche, abseits bloßer Beiläufigkeit, dann meine ich den Begriff immer mit drei dicken ??? (Fragezeichen)

Das ist aber eine Haltung, die praktisch gar nicht vorkommt. Gerade Künstler verwenden ‘Kunst’, als ob vollkommen klar wäre, worum es sich handelt. Wahrscheinlich eine Betriebsblindheit. Trotzdem keine Entschuldigung für mangelnde Reflektion.

Aus Substack antwortete mir ein User, der seine Einstellung wie folgt beschloss:

„Am Ende sehe ich #Kunst aber rein rezeptionsorientiert. Wenn jemandem ein Flippers Album etwas gibt, dann ist das genauso Kunst wie Michelangelos David.“

Von der Rezeption zur Produktion

Ich antwortete:

„Und ich produktionsorientiert. Du kannst also auch ein Flippers Album machen, statt einen David.“

Diese Einstellung, Flippers statt David, war die vorherrschende in den 1980er Jahren an der #Kunsthochschule.

Die komplette Nivellierung jeder Substanz und Reflektion, womit die totale Dominanz des Augenblicks und des Gefühls einherging. (Mit Sennett könnte man von einer »Tyrannei der Intimität« sprechen.)

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Ich hatte an der #Kunsthochschule eine Mitstudentin.

Wenn ich die fragte: „Warum hast Du das so gemacht?“, antwortete sie: „Ich habe mich gerade gut dabei gefühlt.“

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Wenn Flippers Album oder David gleichwertige, gleichmögliche Alternativen sind, dann hört auch die Lehre an der #Kunsthochschule auf.

Es werden keine Fähigkeiten mehr vermittelt, sondern allenfalls Haltung eingeübt.

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In letzter Konsequenz bedeutet das auch, dass mit dir als #Künstler alles gemacht werden kann, denn es gibt nichts, auf dass du dich berufen könntest.

Dein Leben kann David oder Flippers Album sein. Oder oder beides oder noch schlimmer.

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Der Effekt, dass nur noch zu einer Haltung ausgebildet wird, ist der, dass Kunstwerke nur noch durch magische, quasi-religiöse Handlungen entstehen können. Durch Handauflegen. Paradigmatisch ist dafür Joseph Beuys, dem unter der Hand alles zur Kunst geriet. Die Kunsthochschule wird unter diesen Bedingungen mit einem Wort Max Webers zu einer ›Gnadenanstalt‹. Da nichts mehr gelehrt und gelernt werden kann, ist der Ausweis der Gnade die bloße Anwesenheit. Die Gnade der Anwesenheit ist für den Kunststudenten dann die einzige Auszeichnung und bestimmendes Moment. Daran hält er sich.

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(Q: Subst) (Q: Twitter)

  

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